Unser hochsensibles Baby- Vom Schreibaby zum Dauergrinser -Endlich glücklich!

September 9, 2018

Alles ist anders.

Naja fast jedenfalls. 

 

 



Seit einigen Wochen nun ist unser Leben um vieles leichter geworden.  Unser kleiner Mann, stolze 8 Monate alt, kann nun sitzen und krabbeln.  Er lacht den ganzen Tag und spielt... 

Und passt auf.... 

Auch mal gaaanz alleine. 


Wahnsinn. 

Im Leben hätte ich das nie erwartet.  

Ich kann auf einmal Frühstück machen und manchmal SOGAR GEMÜTLICH ESSEN! 

Wow.

Natürlich gibt es auch Mimmimi Tage an denen alles doof ist, der Herr dauermüde ist oder Zähne bekommt, mitten im Schub steckt oder Mama einfach nicht von seiner Seite Rücken darf. Aber hey. Das ist alles Kickifax im Gegensatz zu vorher!

Das Schlafen ist immernoch kein Kinderspiel, vor allem am Tage,  ABER es gibt nun endlich eine andere Lösung, als dreimal täglich mit dem Tragetuch stundenlang draußen rumzulaufen.

Das ist zwar auch was Schönes,  wenn einem die Augenringe aber bis zum Boden hängen,  wünscht man sich aber doch mal einfach  mit seinem dem Baby mitzuschlafen! 


Es ist vieles passiert seit dem und wir haben einiges getan. 

Was aber schlussendlich das Ausschlaggebende war, wissen wir nicht ganz genau. Vielleicht waren es auch alle Komponenten zusammen. 

Aber wir werden euch einfach jetzt hier erzählen,  was wir in den letzten Wochen so angestellt haben. 


Ich bin mir nicht sicher, ob damit der erste Grundstein gelegt wurde, aber das hier geschah eines Abends:


Mein Mann und ich haben uns mit Lior ins Bett gelegt. Er todmüde. Ich glaube es war mittags.

Er wäre zu diesem Zeitpunkt niemals einfach so eingeschlafen.  

Dann fing er an zu schreien. Wir umarmten ihn und sangen, summten oder blieben ruhig. Sprachen ihm gut zu. Er wehrte sich und schrie und schrie. 

Auch ohne ihn anzufassen. Egal was wir taten. Wie so oft.

Zwischendurch wurde er ruhiger. Dann weiter schreien. Immer wieder.  Das ging wohl so geschätzt eine Stunde.

Zwischendurch holte ich mal eine Flasche mit Tee.  Aber trinken wollte er auch nicht (er trank allerdings auch sonst nicht wirklich aus der Flasche).  Irgendwann musste ich aufs Klo.Dann kam ich zurück.  

Mein Mann nahm Lior fest an die Hände.  Füße gegen seinen Bauch. Weniger schreien. Aber immernoch ab und zu. 

Ich schmiegte meinen Kopf an seinen. Und dann kamen mir die Tränen und immer wieder das Wort: unausweichlich.

Ich weiß nicht, ob ich mir den Rest dazu gereimt habe. Eine Ewigkeit traute ich mich nicht, weil ich Angst hatte, mein Mann findet es komisch. Doch ich hatte das Gefühl Lior erzählte mir.

Dann hab ich mich zu dem Kleinen gelehnt und redete mit ihm. Er hörte aufmerksam zu.  

Ich sagte:

"Du wolltest noch nicht raus oder? Du wolltest es in Mamas Bauch endlich noch gemeinsam genießen... Es tut mir leid,  dass ich die Schwangerschaft mit dir kaum erleben konnte und genießen.  Aber wir können das nachholen.  Hier draußen.  Du kannst uns anfassen." 

Er hob seine Hände und betäschelte unsere beiden Gesichter immer wieder.

Ich bestätigte ihn weiter und wiederholte meine Worte immer wieder.

Einmal kurz weinte er noch und  dann nahm ich ihn hoch.  Auf den Schoß.  

Er war ruhig.

Geschlafen hatte er nicht.  Aber irgendwie fühlte es sich an, als hätten wir miteinander gesprochen.... Es war unglaublich. 


Das war wohl ein erster Schritt,  denn von da an wirkte Lior für mich vertrauter uns gegenüber.  Er begann plötzlich immer ein bisschen zu "kuscheln",  in dem er sich an uns anlehnte. Das war vorher undenkbar!


Fast zeitgleich lernte er sitzen. 

Endlich, so schien er du denken, denn er fing plötzlich an, permanent zu grinsen. Endlich richtig spielen können,  endlich sitzen! 

So stolz war unser kleiner Mann, nachdem er zwei Tage ununterbrochen geübt und dabei stetig gejammert hatte. Und dann ging es endlich!  


Auch stellten wir das stillen um, denn Lior konnte knapp 6 Wochen ausschließlich im Liegen und zum Schlafen gestillt werden. Es war furchtbar.  Ich traute mich nicht mehr aus dem Hause, aus Angst, dass er mir "verdurstet".

Es musste also eine Lösung her. 

Wie schaffe ich es, dass er ohne Brust schläft  und wie schaffe ich es, dass er wieder im Sitzen gestillt werden kann? 

Wir machten uns einen Plan. War er müde,  schnürten wir ihn uns an den Bauch und gingen raus spazieren.  Dort schlief er dann im Tuch. Es war anstrengend,  weil man selbst übermüdet war, aber das Stillen hatte nun oberste Priorität.  Und dieses legte ich nun direkt nach dem Schlaf.  Also schlafen, stillen,  spielen. 

Ich versuchte außerdem, wenn Lior nicht klagte, einen größeren Stillabstand von ca. 3 Stunden einzuhalten, denn so hatte er wirklich Hunger und trank auch im Sitzen an der Brust. 

Es hat nur wenige Tage gedauert  bis sich alles eingespielt hatte. 

Und schon war das Stillen wieder entspannter als noch Tage zuvor und das Spucken weniger. 

Ich bemerkte außerdem, dass unser Zwerg sich beim Trinken extrem ablenken ließ,  also hieß es:

Immer der gleiche Platz ohne Spielzeug in der Nähe und ohne Geplapper drumherum.  

Unterwegs wird dann im Tuch gestillt, weil andere Orte viel zu spannend sind, um in Ruhe zu trinken.


Trinken wurde also regelmäßiger, Liors Spuckerei dadurch seltener und Bauchweh damit ebenso. 

Noch ein Punkt mehr Richtung Besserung! 


Ein fast letzter und auch sehr schwieriger Punkt war bei uns das Körperkontakt-Training.

Ich sträube mich fast immernoch bei jedem mal,  obwohl es echt schon so viel gebracht hatte.


Unser kleine Puffel mied sehr stark Körperkontakt,  dass heißt:

-Er drückte sich durch und von uns weg 

-Er strampelte und zappelte auf unserem Arm

-Er suchte Körperkontakt  und sobald er ihn hatte,  wollte er wieder weg

-Im Körperkontakt ging nie Bauch an Bauch, sondern nur mit seinem Gesicht in Laufrichtung oder über die Schulter gelegt

-Im Halbschlaf,  beim Zahnen, krank oder müde war Körperkontakt Ok

-Keine Chance ihm beim Einschlafen zu begleiten - bei uns ging nur Stillen oder im Tragetuch- eine Zeit lang mit richtig viel Kampf


Man kann sich das nicht vorstellen, wenn man es selbst nicht erlebt,  aber das Mama-/Papaherz blutet stark, wenn das eigene Baby den Körperkontakt nicht erträgt,  obwohl es ihn will. 

Es wurde zwar etwas besser mit knapp 6 Monaten,  aber wir konnten ihn trotzdem in einigen Phasen schlecht begleiten, da er sich am Körper nie so richtig wohl fühlte.

Wir begannen nun also mit unserer Ergotherapeutin das Training.  


Dazu setzte sich z.b. mein Mann gemütlich angelehnt an die Wand. Der Zwerg setzte sich nun Bauch an Bauch auf den Schoß... und jetzt kam der blöde Teil:

Babys Arme klemmte er sich quasi selbst unter die Achseln und das Köpfchen wurde angelehnt am Papas Brustkorb festgehalten. 


So zur Theorie. 

Babys mit Körperkontaktstörung fangen meist schon bei Hinsetzen an, sich heftig zu wehren. 

Da ist durchhalten angesagt. 

Seine eigene Position sollte man so wenig wie möglich verändern und sein Liebstes nur flächig anfassen, denn anderes könnte irritieren und noch mehr Wehr nach sich ziehen.

Die ersten Male kann es durchaus auch sehr lange dauern. Bei uns ging es 30 Minuten. Es war durchzogen von verschiedenen Phasen.

Abwehr, Trauer, wieder Abwehr, fallen lassen und am Ende anschmiegen.  

Ist es soweit, dass Hasi sich entspannt,  kann man dies einige Minuten lang genießen.  

Anschließend wiegt man es sanft nach vorne.  Es wird einen dann sehr wahrscheinlich erstaunt anschauen. Nun lobt man seinen Schatz liebevoll. 

Dieser Moment ist sehr innig, denn dein Baby hat gerade erfahren, wie schön Körperkontakt sein kann. 


Lange habe ich mich gewehrt gegen diese Methode der "Korrektur", denn ich wollte unser Liebstes nicht zwingen und nicht gegen seinen Willen festhalten. 

Aber wir versuchten alles. Er konnte uns an seiner Seite einfach durch Nichts ertragen.  Nichts half.

Und nun, seit einigen Wochen, nutzen wir diese Körperkontaktmethode auch zum Einschlafen. Und tatsächlich kuschelt er sich immer mehr an, auch tagsüber. Manchmal legt er einfach den Kopf auf den Brustkorb, starrt eine Weile in die Luft und schläft dann sanft ein. 

Unfassbar.

Im Leben hätten wir das nie gedacht. 


Ach und Physiotherapie hatten wir auch über zehn Wochen lang. Unsere Therapeutin ist zudem auch Osteopathin und arbeitete so an Liors körperlichen Symptomen, wie z.B. das Spucken und auch seine motorische Unruhe. Beides ist deutlich besser geworden und verhilft ihm so zu noch mehr Glückseligkeit. 


Ja, das war's!


Wir sind happy. 

Lior ist fast wie ausgewechselt. 

Plötzlich sitzt er auch nicht mehr unbeholfen und mit den Armen flatternd am Essenstisch,  sondern probiert aus, was da so vor ihm liegt. 

Plötzlich können wir mit ihm baden gehen, ohne panische Angst vor dem Schreien danach zu haben. 

Wir können ihn wieder einfach im Tuch umhertragen, ohne das er sich wegdrückt. 

Alles ist einfach so viel leichter und schöner geworden.


Endlich können wir unsere Familie genießen!

Lior ist angekommen. Uns geht es so viel besser. Einzig unsere letzten 7 Monate permanente Anspannung müssen wir noch verarbeiten . 

Das wird wohl noch ein hartes Stück Arbeit. 

Aber das alles ist scheiß egal, denn JETZT ist es gut. 

Wir "kämpfen" jetzt wohl nur noch mit alltäglichen Problemen, die alle Eltern so haben. 


Zähne, Schübe, Schlafen... 


Und das ist ein Klicks gegen alles, was vorher war!

 

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