Das Leben frisst uns auf

August 28, 2018

Ich wusste, der Tag wird kommen, an dem mein Mann wieder arbeiten geht. 


Ich wusste,  unsere Familie ist dann zeitweise getrennt.  


Ich wusste,  wir werden ihn vermissen. 


Aber das die Gesellschaft unser gemeinsames Leben komplett auffrisst,  wusste ich nicht.  

Geahnt hatte ich es, aber das es mich so mit der Pistole mitten ins Herz trifft, war mir nicht so klar.


Fast jede Familie macht dies durch.  Manche teilen sich die Elternzeit und verbringen diese abwechselnd mit dem Kind. Mach Papi geht gleich wieder arbeiten und selten bleiben beide Elternteile ein paar Monate gemeinsam Zuhause,  so wie wir. 

Manch einer genießt die Zeit allein mit dem Baby und manch einer bricht schon in Tränen aus, wenn er nur eine Stunde von seinen zwei lLiebsten getrennt ist, so wie ich.


"Es muss so sein" oder 

"Irgendeiner muss ja das Geld verdienen"  bekommt man als Antwort,  wenn man dieses System im Frage stellt.  


Wer zum Teufel ist auf diese blöde Idee gekommen, Familien auseinander zu reißen und die Kinder in eine Einrichtung zu schicken   damit man selbst in eine Einrichtung gehen kann. 

Da bringt ein Erzieher sein eigenes Baby in die Kita,  damit er auf fremde Kinder aufpassen kann. 


Da bäckt der Bäcker morgens um vier Brötchen für die Welt im Laden  20 km weiter, aber schafft es Zuhause nicht einmal einen Kuchen für seine Familie zu backen. 


Ist es nicht absurd,  dass wir als Eltern  jede Woche 40 Stunden auf Arbeit verbringen,  um dann abends maximal zwei Stunden mit unserer Familie Abendbrot zu essen, waschen und ins Bett zu gehen.  Oder um eins zwei mal im Jahr für ein paar Tage mal mit den Kids in den Urlaub zu fahren ? 


Warum lassen wir das zu  ?  


Wäre es nicht einfacher Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen  ? 

Als Erzieher zb mit einigen Kindern spielen,  

während Mami zwei Meter weiter eine Hose für Frau Schmidt näht und Papi das Brot für alle backt. 


Nicht für alle Berufe ist es umsetzbar, das ist mir klar. Aber der Grundstock könnte doch zumindest in eine Gesellschaft,  die zusammen arbeitet und lebt gelegt werden. 


Könnte nicht ein jeder den anderen mit seinen Fähigkeiten unterstützen und so zu einem glücklichen Leben verhelfen?  

Könnte nicht der eine das Haus der anderen bauen und dafür bekommt der eine regelmäßig Obst und Gemüse vom anderen. 

Könnte man nicht wieder anfangen natürliche Materialien zu verwenden oder eben allem Menschen gleiches Gehalt zahlen?


Es gibt viele ABERs,  das weiß ich. Ich warum kann man denn nicht einfach mal anfangen. 

Warum kann ein Erzieher nicht genauso viel verdienen wie ein Pilot?  

Verantwortung tragen beide, nur das der Erzieher die Kinder tagtäglich im Alltag begleitet.  


Es gibt Denkerjobs und Macherjobs  

Warum verdient ein Denker mehr als ein Macher? 

Warum wird man bestraft,  nur weil man eben nicht der klügste Mann der Stadt ist.


Ich verstehe das ganze System nicht und finde es todtraurig,  meine Familie zerreißen zu lassen. Aber was habe ich denn für eine Wahl?


Ich kann vieles, sehr vieles, doch nix davon kann ich einfach machen und bekomme dafür mein Geld  


Ich kann malen, muss mich aber erst selbstständig machen. Um dann meine Kunst nur ganz selten verkaufen zu können,  weil kaum noch einer Kunst kauft. 


Ich kann Tonfiguren formen. Meine Finger machen dies, als würden sie ein Liebeslied vorsingen oder ein zartes Gedicht schreiben. Aber wer kauft heute noch Figuren? 


Ich kann singen,  aber wie zum Teufel soll man sich in der Masse durchringen,  um auch nur ein Lied an den Mann zu kriegen?


Ich kann nähen.  Aber wer zahlt für eine Hose schon 200€ (und das wäre nicht mal viel für die Einzelarbeit),  wenn er doch eine Hose für 10€ bei H&M bekommt. 


Ich bin Erzieherin, darf aber mein eigenes Kind natürlich nicht mit in den Hort nehmen,  sondern muss es zu anderen Erziehern abgeben.  Als Tagesmutter muss man sich wieder selbstständig machen und ist wieder einem "Risiko"  ausgesetzt.


Ich könnte Menschen Fachwissen über alle möglichen Themen wiedergeben oder gar eigene Bücher über Erlebtes schreiben, wie zb über das Leben mit unserem "high need" oder "Schreibaby",  wie manch einer sagen würde.


Ich könnte andere beraten,  weil ich alles durchgemacht habe und Bücher gewälzt, nur um endlich eine Lösung für uns zu finden. 

Aber auch hier- ich kann es nicht einfach machen. Es braucht Interessenten und wieder steht da die Selbstständigkeit.

Es gibt mir keinerlei Sicherheit. 


Ich könnte Leuten einfache vegane Küche lehren.  Ich könnte Sauerkraut für ein ganzes Dorf machen. Ich könnte Kinderbücher schreiben und malen.


Doch NICHTS davon kann man einfach so machen.

 Immer braucht es irgendeinen scheiß Schrieb dafür oder das Risiko einer Selbstständigkeit. 

Und meine Familie darf auch nie dabei sein.


Ich wünschte,  einer würde sagen, ich stell dich ein und du kannst machen was du willst. 

Heute malen, morgen Seminare anbieten und in einer Woche kannst du für das Weihnachtsfest singen. 

Dein Baby? Dein Mann? Können immer dabei sein oder sogar mitmachen. 

Du bekommst dein festes Gehalt. Oder noch besser: in unserem Dorf könnt ihr wohnen, Essen bekommt ihr und spezielle Dinge, wie zb ein Fahrrad für dein Kind bezahlen wir dir. 


Yes!

Das wäre es.

So stelle ich mir das "Berufsleben" vor. 

Oder noch besser. 

Ich male und bekomme dafür einen Einkauf nach Hause. 

Ich geh draußen spielen und nehme Nachbars Kinder mit. 

Ich organisiere ein Fest und jeder trägt dazu bei.

Ich halte einen Vortrag und darf dafür bei einem anderen zuhören.  


Warum denn nicht?


Kann das Leben nicht einfach mal einfach sein?  


... 


Auf der Suche nach dem freien Leben...




 

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