Unser hochsensibles Baby- Trauma mit happy end?

May 15, 2018

Ergotherapie die Dritte

+ erneuter Arztbesuch

 

 

 

Schon heute Morgen auf dem Weg zur Post, waren wir am Verzweifeln. Wir wollten nur mal eben ein Paket abholen und dann wieder zurück. Doch der Weg erwies sich schon nach zwei Minuten als Zerreißprobe. Der kleine Mann meckerte und drückte sich permanent von meinem Körper ab: Ich will hier nicht sitzen! Schien er lauthals zu quarken. Immer und immer wieder drückte er sich immer und immer lauter gegen mich. Ganzschön verletzend, auch wenn es wohl nicht gegen mich gehen soll.

Er zappelte und zappelte, bis ich dann zackig das Tuch öffnete und sagte „Du kannst gleich laufen“. Ich war genervt und belustigt zugleich. Natürlich konnte er nicht laufen. Er kann ja auch nichts dafür, dass er sich so unwohl fühlt.Ich konnte einfach nicht mehr- die letzten Tage waren zu viel. Ich möchte einfach nur, dass er sich wohl fühlt- das wir ihm Halt geben können, wenn er mit all den Reizen im Alltag nicht klar kommt.

 

Später am Nachmittag ging es wieder zur Ergotherapie. Unser Kleiner hatte am Vormittag kaum Schlaf gefunden und war nach kurzem Gemecker auf dem Weg eingeschlafen. Angekommen wurde er auch schon wieder fast wach. Der Therapeut fragte, wie es uns geht und ich konnte nur resigniert den Kopf schütteln. „Wir sind einfach durch“.

Mister Nicht-getragen-werden-wollen wachte auf und schaute sich um. Etwas müde blickte er den Therapeuten genau an.Ich nahm den Kleinen aus dem Tuch und wir besprachen die letzten Ereignisse. Nun ging es ans Eingemachte- wir müssen uns an die Körperkontaktstörung wagen und dem direkt aussetzen. Ich solle anfangen, riet der Ergotherapeut, damit ich schnellstmöglich aus dem Teufelskreis und den schlechten Gefühlen herauskomme.

„Wichtig ist, dass wir dieses Unwohlgefühl von dem Kleinen einmal durchbrechen und ihm zeigen, dass es schön auf Mamas Bauch ist- dass er dort Sicherheit und Halt bekommt“. Bei dem Gedanken an das, was gleich passieren wird, kommen mir die Tränen. „Ich weiß wie er sich fühlen wird, wenn er auf meinem Bauch liegt und das ist nicht schön.“„Es ist doch besser, all das jetzt mit ihm durchzustehen, als wenn er sich nie richtig geborgen fühlt“.

Ich stimme zu.

Los geht’s also. Ich kündige dem Kleinen an, was nun passieren wird und setze mich mit ihm auf den Bauch hin.Noch ist er recht ruhig, aber auch nicht wirklich entspannt. Ich versuche seinen Blick zu erhaschen.

Schwierig.

Der Blick meines Sohnes haftet an der Umgebung um ihn herum. Der Therapeut setzt sich zu uns und lenkt seinen Kopf zu mir. Sobald er mich anschaut, fängt er an zu loben und ich mache es ihm nach „Toll machst du das! Super“ mit erhöhter Stimme.

Puh.

Ein paar Mal schenkt mir mein kleiner Mann seine Aufmerksamkeit. Ich freue mich und sehe dem Spektakel positiv entgegen.Doch langsam wird mein Kleiner unruhiger. Er fängt an zu zappeln und versucht mit aller Kraft meinem Blick auszuweichen. Unmöglich ihn umzustimmen und hineinzuloben. Er wird knallrot, rudert und schwitzt seine Sachen voll. Völlig in Rage geschrien schaut er mich mit zugekniffenen Augen an: „Hilf mir, ich will hier weg!“

Paradox, aber genau das strahlt er aus. Lange stehe ich das nicht mehr durch! Der Therapeut hatte gesagt, er wird sich irgendwann fallen lassen und beruhigen, also frage ich „Hat das hier irgendwann ein Ende?“ Der Therapeut merkte wohl nun auch, dass der Kleine sich nicht mehr beruhigen wird. „Kann ich ihn aus der Situation nehmen?“ frage ich, als mein Herz vor Schmerz zerbrach, bei dem Anblick wie mein Baby litt. „Ja natürlich“

Ich drehte ihn um, setzte ihn seitlich auf meinen Schoß. Er beruhigte sich etwas. Dann fing er an laut mit heruntergeklappter Unterlippe zu jammern.

Oh mein Gott, der Arme. Ich stehe fast unter Schock von der Szenerie und halte den Schmerz meines Sohnes kaum aus. Er weinte sich aus, über das, was gerade geschah. Tränen kullerten über sein rotes Gesicht. Ich hielt ihn ganz fest, meine Lippen an seinen Kopf drückend. „Ich bin ja da“. Ich schaukelte mit ihm im Schoß hin und her.

Er jammerte und jammerte. Weinte bitterlich.

Das steh ich doch nicht nochmal durch.

„Vielleicht halten Sie ihm nun eines seiner Spielzeuge hin und wenn es geht halten sie es in Richtung Ihres Körper“. Mein Mann holte seine kleine Eulenrassel heraus, welche ich ihm nun vor die Nase hielt. Er schimpfte. Beschwerte sich bei seiner Eule über eben Geschehenes. Ab und an hielt er inne und betrachtete ihre knisternden Flügel. „Ja suuuuuuper“ kommentierte der Therapeut. Ich tat es ihm nach.

Mannoman. Mein Kopf brummt.

Der Kleine meckerte immer noch.

„Versuchen Sie doch mal zu Hause immer wieder in solche Situationen zu gehen wie eben. Aber diesmal nur ein paar Minuten, solange er sich noch wohlfühlt. Versuchen sie immer wieder sanft seinen Kopf in Ihre Blickrichtung zu lenken und lassen sie locker, sobald er schaut. Dann loben sie ihn. Wenn das gut geht, hören Sie nach drei vier Minuten auf und machen dann etwas anderen mit ihm auf dem Arm. Etwas später können Sie das Ganze wiederholen. So speichert er sich ab- aha auf Mamas Bauch ist es gar nicht so schlimm“

Für heute beenden wir die Stunde. Der Kleine ist immer noch etwas aufgelöst. Ich fühle mich leer und doch voll gleichzeitig. Wir nehmen im Warteraum Platz und ich stille unseren Liebsten, damit er zur Ruhe kommt.

Das nächste Mal sollen wir einen Nuckel mitbringen, den er ja bis heute nicht nimmt. Wir sollen versuchen, ihm eine Alternative zur Brust für die Beruhigung anzubieten. Dies haben wir bisher vergeblich versucht- vielleicht hat der Therapeut aber noch eine Idee. Wir sind gespannt.

Doch für heute bin ich erledigt.

Es fühlt sich an, als hätte ich dem Kleinen mit der Aktion extrem wehgetan. Ich möchte nicht, dass er sich durch mich schlecht fühlt. Ich möchte ihm aber auch ermöglichen, dass er sich in den Armen seiner Eltern geborgen fühlt!

 

...

 

Einen Tag später


 Wir fuhren noch einmal zu unserer Ärztin, da wir mit den Nerven etwa drüber sind. Was übrigens ein bescheidener Weg von über einer Stunde ist- aber sie ist einfach top! Sie wollte sich unseren kleinen Racker nochmal anschauen und mit uns besprechen, wie wir ihn unterstützen können.

Ein kurzer Blick genügte „Ja, all seine Probleme kommen eindeutig von der Regulationsstörung. Allein in den paar Sekunden, die er hier ist, schaut er permanent in alle Richtungen und saugt alle Reize auf. Die Kontaktstörung ist ein Teil davon. Und Sie sollten auf jeden Fall noch einmal zum Osteopathen gehen. Er übersteckt immer noch den Kopf- da ist noch etwas!“

Sie befragte uns, was wir in der Ergotherapie so machen und gab uns noch einige Tipps mit.

Ein paar davon kennen wir bereits und nutzen diese- es ist aber durchaus hilfreich, diese noch einmal zu hören:

 

1.) Mit festem Griff anfassen und in Position bleiben, da ein ständiger Wechsel die Reizwahrnehmung noch erhöht

2.) -Wenn Kinderwagen, dann mit einem Tuch abdecken und/oder in der freien Natur spazieren gehen- am besten gleich nach dem Aufstehen, damit der Tag entspannt beginnt

-Wenn Tragetuch, dann auch hier mit einer Mullwindel den Blickwinkel einschränken

3.) Reize aus der Wohnung nehmen, z.B. Bilder an den Wänden abhängen

4.) Einen langweiligen Alltag gestalten, der dem Baby Sicherheit gibt

5.) Keinen Besuch Zuhause empfangen

 

Wir sollten außerdem weiterhin eine Messerspitze „Conchae“ morgens geben, die ihn erden sollen. Auch Chamomilla Tropfen von Wala wurden uns mehrmals am Tag empfohlen, welches gut zu seinem Konstitutionstypen passt. Darüber hatten wir uns bereits selbst belesen und festgestellt, das dies wie die Faust aufs Auge passt.

Einmal am Tag können wir auch Passiflora Zäpfchen geben.

Klingt viel, oder?

Diese pflanzlichen Mittel können ihm helfen runterzukommen und besser in seine Mitte zu finden. Aber das Minimieren der Reize, die Körperarbeit und das Endblockieren sind hier oberstes Gebot.

 

Wir werden sehen, was all die Komponenten für uns bereithalten

 

 

Fortsetzung folgt…

 

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Hier findest du alle Artikel unserer Erfahrungs-Reihe

-Unser hochsensibles Baby-

 

Diesen Artikel kannst du auch hier anhören.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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