Unser hochsensibles Baby- unglückliches Einschlafritual

May 14, 2018

+Ergotherapie die Zweite

 

 

 

(Unser Baby nicht ganz 5 Monate alt)

Welch anstrengende Wochen wir doch hinter uns haben. Gerade in diesem Moment versucht der Kleine seit 4 Stunden einzuschlafen.

Dann ist er doch gar nicht müde, würden viele nun klug ratschlagen. Und ob! Er hat rot unterlaufene Augen, die er sich permanent reibt, gähnt und jammert wie ein Kätzchen sobald er aus seinem leichten Schlaf zum 100sten Male aufwacht.

Warum kann er also nicht einfach schlafen? Unsere Vermutung- er verarbeitet den Tag und findet einfach nicht zur Ruhe, denn heute gab es Mal wieder Besuch. Und obwohl wir darauf geachtet haben, dass es nicht zu viel wird, kam wieder einmal eines dieser Abende. Ein Abend an dem ich stundenlang neben ihm liege, nachdem er wie ein Irrer strampelte und krächzte, um von dem turbulenten Tag zu berichten. Er suchte fuchtelnd nach der Brust und meckerte, sobald er diese nicht sofort zu schnappen bekam. Er zappelt dann wie von einem Stromschlag durchzogen, schniefend und meine Brust umklammernd. Das geht dann manchmal bis zu 20 Minuten so, dann sackt er erschöpft zusammen und ich denke: Endlich hat er es geschafft und kann sich nun ausschlafen und erholen.

Ich bleibe noch etwas liegen oder schlafe selbst manchmal kurz ein.

Schwupps.

Aufgewacht…

Wooooo ist mein Nuckel (in dem Fall die Brust, da er keinen Nuckel nimmt).

Wie ein Irrer hechelt er und schnappt sich die Brust wieder… Und von vorne… Das kann dann manchmal gut ein paar Stunden dauern.

Zwischen dem Stillen dockt er gerne mal ab, dann weiß ich- er muss aufstoßen, pullern oder beides. Dann muss ich ihn entweder aufstoßen lassen oder die Windel öffnen, dass er Pippi machen kann (Nein, er pullert nicht gerne einfach in die Windel). Und da er es im Liegen meist auch nicht gut schafft, halte ich ihn über ein Töpfchen. Und wieder hingelegt… Warten, ob er es von allein schafft einzuschlafen. Und dann geht’s meist wieder los mit zappeln und suchen.

Mein Mann versucht mich dann mal „abzulösen“ für eine Weile, weil ich dann einfach nicht mehr kann. Das geht dann mal ein bisschen gut und spätestens nach 15-20 Minuten wird das Gemecker des Knirpses so groß, dass ich ihn nicht warten lassen möchte. Ich docke also wieder an.

Auch heute so. Nach der zweiten Ablöse und mittlerweile 4 ½ Stunden später hat der kleine Mann sich beruhigt und ist erschöpft eingeschlafen.

Oh man! Und wir müssen auch bald wieder in Bett.

Es ist jetzt 22:30 Uhr. Gegen Zwölf meldet er sich wieder zum Pullern oder Hunger. Das Gleiche dann ziemlich genau 4 und 7 Uhr morgens.

Manchmal klappt das gut, weil ich in leichter Schlafphase wach werde, manchmal trifft es genau meine Tiefschlafphase und ich muss wie gerädert Wickeln bzw. abhalten.

Manchmal werde ich richtig sauer. Nicht auf unser Baby, sondern darüber, dass er nicht einfach mal entspannt schlafen darf/ kann und natürlich auch darüber, dass ich aus der Tiefschlafphase „geweckt“ wurde. Manchmal dauert die ganze Prozedur in der Nacht nämlich auch bis zu einer Stunde. Da macht er weder in die Windel, noch lässt er sich abhalten (fängt an zu schluchzen vor Müdigkeit), kann aber auch genauso wenig weiter trinken (er dockt also immer wieder ab, obwohl er Hunger hat). Dann leg ich ihm entweder ein Tuch zwischen die Beine oder wickel ihn, gehe selbst Pippi, komme wieder und muss die neue nasse Windel wechseln. Wieder angedockt und kurze Zeit später wieder hochgenommen zum Bäuerchen, weil er sich hin und herwälzt…

Klingt anstrengend?

Ist es auch!

Dabei finde ich die meisten unserer Nächte eigentlich echt entspannt. Zweimal in der Nacht angedockt und dabei weitergeschlafen, mal kurz gewickelt, fertig. Aber manchmal gibt es eben auch DIESE Nächte.

 

Mittlerweile haben wir auch nochmal unsere Ärztin telefonisch kontaktiert, da der kleine Knirps sich so extrem schwer mit dem Einschlafen tut und dann ganz fix wieder aufwacht ohne ausgeschlafen zu sein. Wir sollten seine Globulis „Conchae“ absetzen und schauen was passiert. Wenns gar nicht geht hatten wir uns „Passiflora“ von Wala besorgt, welches gegen Unruhe und Schlafstörungen helfen soll.

 

Die Tage nach dem Absetzen brachten kaum Veränderung bzw. machten das Einschlafen sogar NOCH schwieriger! Nach zwei Tagen immer wieder Kampf mit dem Einschlafen, versuchen wir es nun mit Passiflora. Bis jetzt mit wenig Erfolg. Wobei man bei homöopathischen Mitteln etwas Geduld mitbringen muss, da diese oft erst nach einigen Wochen wirken.  Mal sehen!

 

Morgen geht es zur dritten Ergotherapie-Stunde.

Bei der Zweiten hatten wir berichtet, wie es uns mit den Tipps ergangen war. Wir erzählten von Fortschritten und Dingen, mit denen wir nicht klar kamen.

Hierzu zählten vor allem die Szenen, in denen er sich nicht beruhigen ließ und wir mit einem bestimmten NEIN und anschließendem überzogenen Grinsen agieren sollten.

Es war für uns einfach unmöglich, ihm ein fröhliches Gesicht „vorzuspielen“, wenn er doch ein paar Sekunden später verwirrt wieder anfing zu schreien.

Der Therapeut überlegte „Hmmmm…. Können Sie sich vorstellen, ihm statt des Grinsens ein anderes positives Feedback zu geben? Zum Beispiel summen?“ „Ja auf jeden Fall-das ist viiiel authentischer“ war meine Antwort. „Sowas in der Art habe ich auch bereits ausprobiert. Zum Schlafen in der Schaukel summte ich ihm etwas vor und immer, wenn er zu meckern anfangen wollte, hörte ich auf zu summen.“

 

Unser Baby schlummerte bereits die Hälfte der Stunde eingebunden im Tragetuch und wurde dann doch unerwartet wach. Er schaute sich um und entdeckte den Ergotherapeuten. Dieser begrüßte den kleinen Knirps freundlich. Nach ein paar Lächeleien holte mein Mann ihn aus dem Tuch heraus und setzte ihn auf seinem Schoß ab.

Ich fing an ihn zu begrüßen und freudestrahlend zu plaudern. Ein goldiges Kerlchen. Nach einer Weile durfte er auf mein Schoß hüpfen. „Versuchen Sie ihn doch mal so in den Arm zu nehmen, dass Sie mit ihm genauso freudig plaudern können wie gerade eben.“

 

Hm.

Der Kleine wurde zappelig. Na toll. Bei mir wird er immer unruhig. Hunger hat er bestimmt auch langsam. Ich nahm ihn in die Armbeuge. Eine Position, die er nicht so mag. Er drückte sich etwas weg. „Vielleicht können Sie mal Blickkontakt aufnehmen?“

Unmöglich.

Er drehte sich weg. Kein Blick auf mich gerichtet. Er suchte jede Möglichkeit mich nicht anzuschauen, so wirkte es zumindest.

Ich wurde ebenso unruhig und fühlte mich zunehmest unwohler. Ich erinnere mich an Momente beim Stillen, in denen er sich genauso abwendete.  Es macht mich traurig und ich habe den Impuls den Kleinen wieder auf den Schoß meiner zweiten Hälfte zu setzen. Dort wird er meist ruhiger und ich kann mit ihm schäkern.

Nach einer Weile beenden wir die Stunde und ich möchte unserem Baby endlich sein Nachmittagsmahl geben.

Dabei ein ähnliches Bild. Im Arm liegend fühlt er sich sichtlich unwohl. Ziemlich seitlich, etwas abgewandt von meinem Körper, ist er entspannter.

Der Therapeut taucht nach dem Stillen auf und wir plaudern noch einmal kurz „Nächstes Mal würde ich Sie beide gerne mit der Kamera aufnehmen und dann schauen wir uns das mal gemeinsam an- mir ist da nämlich etwas Kleines aufgefallen“

Neugierig und bereits wissend sage ich „Ok, können Sie uns es denn jetzt schon kurz sagen? Auf meinem Schoß ist er unruhiger richtig?“

Der Therapeut bittet uns noch einmal kurz ins Zimmer „Also, wie Sie mit dem Kleinen freudestrahlend gesprochen haben, als er auf dem Schoß ihres Mannes saß, war toll. Sie haben richtig schön kommuniziert. Als er dann allerdings bei Ihnen saß, ist ihnen Ihre Miene offensichtlich runtergefallen. Ihr Gesicht wurde schlagartig unsicher. Wir müssen also nicht nur mit dem Kleinen arbeiten, sondern vor allem auch mit Ihnen, denn dort hat sich auch schon etwas eingeschlichen, aus dem wir langsam wieder rausfinden müssen“

Ich bejahe und berichte von meinen eigenen Beobachtungen und Gefühlen.

Das also wird die Arbeit der nächsten Stunden. Umkonditionierung aller Beteiligten, denn

KÖRPERKONTAKT IST SCHÖN UND LEBENSNOTWENDIG!

 

Fortsetzung folgt hier

 

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Hier findest du all unsere Artikel zu unserer Erfahrungsbericht-Reihe

-Unser hochsensibles Baby-

 

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