Unser hochsensibles Baby

April 30, 2018

 

+Tipps im Umgang mit einem reizüberfluteten Säugling

 

 

 

Ja, da erblickte unser kleiner Mann um Weihnachten herum das Licht der Welt. Klein und zart, lag er die ersten Tage ganz schläfrig quasi 24 Stunden neben bzw. auf uns. Er ruhte sich von der anstrengenden, schnellen Geburt aus und schlief und schlief und schlief. Zu dem Zeitpunkt wollte er noch recht regelmäßig, etwa alle drei Stunden, trinken.

Jipiie, wir haben jetzt schon einen Rhythmus, dachten wir. Ha ha- dieser hielt nicht lange an. Schon ein paar Tage später lag ich wie angewurzelt fast den ganzen Tag im Bett, um unser neuestes Familienmitglied zu stillen. Zwischendurch hatte ich „Zeit“, die riesigen Spuck-Seen wegzuwischen oder aufs Klo zu fliegen, um mir neue Spucktücher zu holen.

Natürlich hatte unser kleiner Mann ordentlich mit Bauchweh zu kämpfen. Er weinte permanent, streckte sich durch und flog vor lauter Luft im Bauch fast durch unsere Wohnung. Manch einer würde jetzt sagen- Ja kein Wunder, wenn du ihn permanent stillst- du musst so zwei, drei Stunden Pause zwischendrin lassen (was uns wohl bemerkt auch die Ärztin riet).

Jahaaaa danke für den grandiosen Tipp! Es war nämlich gar nicht möglich unser paar Wochen altes Baby mal ein paar Stunden nicht zu stillen. Mein Liebster und ich versuchten alles. Schaukeln, Bauchmassage, Bauchlage, singen, drehen, wenden… nix half. Am Ende eines jenen „Kampfes“ den kleinen Mann zu beruhigen, blieb nur das Stillen. Beim Stillen fiel er regelmäßig in den Schlaf. Legte ich ihn dann ab, wurde er sofort wach und hatte wieder zu tun.

Er drückte, ächzte und weinte, kackte und spuckte, rülpste und rülpste. Das ging dann schon mal so 30-90 Minuten… War das vorbei, war wieder stillen angesagt, denn nichts anderes half.

Ans Anziehen oder in die Tragehilfe setzen war schon gar nicht mehr zu denken.  Es endete meinst in einem erschöpften Einschlafen in der Trage, sobald wir etwas unterwegs waren. Ich traute mich kaum, irgendwo weiter weg zu gehen, denn manchmal schon nach 30 Minuten ging das Gebrüll wieder los.

„Hunger!!! Hunger!!! Ich sterbe, wenn du mir nicht sofort was zu essen gibst!“ Und so fing ich an mich im tiefsten Winter oben rum nackig zu machen und ihn im Tragetuch zu stillen.

Ich geriet schon bevor wir das Haus verließen in Panik, weil ich nicht wieder frieren wollte. Aber uns blieb nichts anderes übrig, denn so beschissene Pflichtgänge wie U-Untersuchungen und irgendwelchen andren Kack mussten wir zwangsläufig erledigen. Aber ein Gutes hatte es- der Kleine konnte super aufstoßen, während er da so im Tuch hing- gespuckt wurde kaum.

Wäre ich nicht so unsagbar müde gewesen und hätte er beim „Einwickeln“ nicht immer so furchtbar geschrien, hätte ich ihn  am liebsten immer im getragen.

Am Ende bestanden meine ersten 2/3 Monate mit dem kleinen also aus liegen/sitzen, stillen und im Arm halten und dabei möglichst wenig Bewegungen machen, da der kleine sonst aufwachte und wieder zu kämpfen hatte.

Unserer Vermutung, er habe eine Blockierung im Rücken, gingen wir nach. Drei Osteopathie-Termine brachten kaum Erfolg. Und nochmal ab zum Arzt.

Wir bekamen ein homöopathisches Mittel an die Hand „Chamomilla/BellaDonna“ für Babys/ Kinder und eine Salbe zum Einreiben des Oberbauchens.

Und tadaaaa, tatsächlich- nach ein paar Tagen- hörte sein „Zu-Tun-Haben“ schlafartig auf. Er spuckte zwar und weinte vorm Aufstoßen kurz, aber er hatte nicht mehr bis zu einer Stunde zu kämpfen. Sein Ächzen und Drücken hörte auf und sein Kacki kam regelmäßiger. Er ließ sich sogar gerne in sein neues Tragetuch einbinden.

Übrigens wäre sowas wie ein Kinderwagen niemals gegangen, denn er ließ sich monatelang überhaupt nicht gerne auf den Rücken legen. Auch die von Ärzten und Osteopathen empfohlene Bauchlage war anfangs unmöglich, da das Schreien sofort losging.

Mit 3 Monaten fing auch Das dann fast schlagartig an, besser zu werden. Er ließ sich mittlerweile schon mehrere Minuten auf den Bauch legen. Unsere stundenlangen Fahrradfahr- und Bein-Schuckel-Aktionen nahmen allmählich ab.

Doch sein Weinerlich-Sein hielt an. Manchmal zog er die Lippe nach unten und jaulte wie eine Katze und manchmal schrie er wie von der Tarantel gestochen und wollte sich nicht mal mehr im Tuch beruhigen lassen, wobei dies doch in den Wochen davor das Einzige war, was im Notfall half. Tragen und laufen.

Also ab zur Physiotherapie. Dieser Therapeut war zufällig auch noch Osteopath und wurde uns wärmstens empfohlen, da er schon so manches Mal helfen konnte, wo andere scheiterten.

Und siehe da- er fand zwei eindeutige Blockaden, welche er löste. Zack- auf einmal konnte unser Kleiner den Kopf in alle Richtungen verdrehen und machte zwei Tage später sogar seine erste Rolle auf den Bauch. Unglaublich!

Allerdings waren die ersten drei Tage nach der Behandlung die Hölle. Er weinte und weinte und weinte! Dann am nächsten Tag- Lächeln, lächeln, lächeln, Bauchlage und Verdrehungen des Körpers, die wir vorher bei ihm noch nie gesehen hatten. Wahnsinn!

Endlich! Endlich die Lösung für unseren kleinen Mann…

Dachten wir.

Kurze Zeit später ging es wieder los. Weinen, weinen, weinen. Er schien permanent müde zu sein, konnte aber weder gut einschlafen, noch gute Nickerchen über eine Stunde machen. Mit einem Schluchzen wachte er meist noch total müde auf, ließ sich aber auch nicht wieder in den Schlaf schaukeln.

Was übrigens mittlerweile, abgesehen vom Tragen, die einzige Möglichkeit ist, ihn beim Einschlafen zu helfen. Sobald er Anzeichen von Müdigkeit macht oder nur noch am Quengeln ist, geht’s ab in den an der Decke aufgehängten Wipper. Dort wird ruhig von Seite zu Seite geschaukelt. Im Hintergrund läuft leise Entspannungsmusik. Manchmal dauert diese Prozedur eine ganze Stunde, obwohl er offensichtlich todesmüde ist. Nach 20-30 Minuten wacht er dann manchmal auch schon wieder mit rot unterlaufenen Augen auf… Ein Teufelskreis.

Es fällt ihm offensichtlich schwer, abzuschalten. Besonders an stressigen Tagen oder Tagen, an denen man Besuch bekommt, ist er deutlich unruhig. Er findet kaum noch zur Ruhe und lässt sich meist gar nicht richtig beruhigen. Es scheint, als ob er alle Reize wie ein Schwamm aufsaugt- diese jedoch nicht wieder loslassen kann, um zu entspannen.

Vor ein paar Tagen ging es dann zur U4. Unser kleiner nun genau 4 Monate alt. Stabil ist seine Haltung und gut sein Gewicht (mit fast 9 Kilo ein echter Brocken). Seine Esszeiten sind regelmäßiger geworden- fast alle 3 Stunden, aber dafür sehr unruhig. Es gab und gibt Phasen, da dockt er ständig an und ab, weint oder hat extrem mit Luftschlucken zu tun. Auch das Einschlafproblem sprechen wir an.  Unsere Kinderärztin stellt noch zwei-drei gezielte Fragen, die seinen Typen so ziemlich gut entsprachen und schrieb  und ein pflanzliches Mittelchen auf „Conchae“. Es soll ihm helfen, Reize besser zu verarbeiten und somit zu einem ruhigeren Trinken und Einschlafen verhelfen.

Außerdem verschrieb sie uns ein paar Ergotherapeut-Stunden, die uns dabei helfen, ihm zu helfen.

 

 

Bis hierhin haben wir viel ausprobiert uns vieles gelesen. Zumindest in einigen Punkten konnten wir Entspannung für alle erzielen:

 

1.) Einen überschaubaren Tag gestalten

Was unser kleiner gar nicht mag ist Stress. Wir vermeiden, viele Termine in einer Woche zu haben bzw. schon gar nicht an einem Tag. Maximal eine Unternehmung pro Tag und genügend Verschnaufpausen zwischendurch.

 

2.) Einen Rhythmus einbauen

In den ersten drei Monaten für uns quasi unmöglich, jetzt aber gut umsetzbar:
Stillen, Aktivität, Schlafen. Damit der Kleine das Stillen nicht mit dem Einschlafen verknüpft (vor allem am Tage), versuchen wir ihn immer erst nach einer Aktivität hinzulegen. Natürlich darf er aber schlafen, wenn er nach dem Stillen müde ist. Bis jetzt haben wir es aber sehr gut andersherum hinbekommen.

Zu Aktivitäten gehören z.B. Spielen, Zugucken, Baden, Wickeln usw.

 

3.) Nicht  wecken!

Akzeptiere den Schlaf deines Kindes und versuche es nicht zu wecken, weil du irgendetwas erledigen willst.

 

4.) Biete deinem Baby eine Schlafmöglichkeit, sobald es müde ist

Für unseren Kleinen heißt das konkret, dass wir alle ruhiger werden, gegebenenfalls Beruhigungsmusik anmachen. Direkte Lichtquellen werden abgeschaltet, tagsüber zeihen wir manchmal z.B. einen hellen Vorhang vor die Fenster. Wir legen unser Baby in eine Art liegende Schaukel und verdecken diese manchmal vorne mit einem Tuch, so dass er in dieses hineinschaut. Dann wird leicht hin und her geschaukelt, bis er eingeschlafen ist. Wir lassen das Schaukeln nun immer früher ausklingen, damit er später einmal auch ohne Schaukeln einschlafen kann.

 

5.) Schlafritual bauen

Wir versuchen, je nach seiner Stimmungslage, ein Ritual einzuhalten- das sieht dann so aus:

Ausziehen (manchmal lassen wir den Body einfach an, um ihn nicht lange hinzuhalten), waschen oder baden, Hände und Füße massieren (den ganzen Körper mag er noch nicht), anziehen, Spieluhr aufziehen, ins Schlafzimmer fliegen, einen Schlaf-Reim vorlesen (klappt selten, da er da schon völlig müde ist), in den Schlafsack gezippt und Einschlafstillen bei verdunkeltem Zimmer. Manchmal bekommt er nach dem Einschlafen noch Mama´s oder Papa´s Tshirt zu sich gelegt und eine Decke über die Beinchen, als Umhüllung. Wacht er auf, weil er pullern muss oder Hunger hat, stille ich meist und mein Liebster wickelt ihn dabei, denn sonst gibt es großes Geschrei und der Kleine hat Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen.

 

6.) Halte dein Kind ab und wechsel regelmäßig die Windel

Unser Pupser pieselt nicht gerne in die Windel. Er zappelt unruhig und weint manchmal sogar, wenn er in die Windel pullern muss. Deshalb halten wir ihn, wenn möglich in Standartsituationen über ein Töpfchen. Das ist z.B. morgens nach dem Wachwerden oder tagsüber nach einem Nickerchen, etwas nach dem Stillen oder nach dem man sein Baby aus dem Tragetuch nimmt. Klappt erstaunlich gut, wenn man sich mal die Zeit dazu nimmt.

*Ich bin von der An-und Auszieherei aber so ziemlich genervt und habe deshalb eine Windel-Hose entwickelt, die sich zum bequemen Wickeln und Abhalten aufknöpfen lässt

 

7.) Jeden Tag frische Luft

Am besten schnallst du dein Baby dazu in dein Tragetuch. An Mama´s/ Papa´s Brust gelehnt, lässt es sich gut die Welt entdecken und kurze Zeit später ein Nickerchen machen. Diese sogenannten Nickerchen sind die besten, denn die können bei unserem Kleinen bis zu 3 Stunden dauern. So hat er endlich mal Zeit, sich von den ganzen Eindrücken zu erholen.

 

8.) Intensive Momente schenken

Dein Baby freut sich darüber, wenn du ihm deine ganze Aufmerksamkeit schenkst. Schäkerst, spielst oder einfach nur plauderst.

 

9.) Zeit für sich geben

Auch ein Baby braucht Zeit für sich. Lass es die Welt um sich herum entdecken, wenn du z.B. siehst, dass es einen Gegenstand intensiv beobachtet. Es braucht diese Zeit und um sich mit Dingen zu beschäftigen. Sei trotzdem in der Nähe und lass dein Baby wissen, dass du da bist, sobald es dich ruft

 

10.) Alles erklären, was man tut

Erzähle deinem Baby wirklich jeden Krümel, den du gleich mit ihm machen wirst. „So, jetzt lege ich dich hin und wir wechseln dir deine Windel… Ich ziehe dir deinen Schlafanzug aus… Linker Arm… rechter Arm…“ Und so weiter. Sprich in sanften Ton mit ihm und tue Dinge langsam. Verfalle bloß nicht in Stress, denn das überträgt sich sofort auf dein Baby.  Plane also immer genügend Zeit und Puffer ein, wenn du etwas zu erledigen hast.

 

 

So, das ist bis jetzt der aktuelle Stand (30.04.2017).

 

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Fortsetzung findet ihr hier

 

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Hier findest du alle Artikel unserer Erfahrungsbericht-Reihe

-Unser hochsensibles Baby-

 

P.S. viele weitere Tipps zum Beruhigen, findest du zusammengefasst in diesem Artikel

 

 

 

Diesen Artikel kannst du auch hier anhören.

 

 

 

 

 

 

 

 

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