Leben retten- Ein Augenblick der Symbiose

March 1, 2018

Herzklopfen unter meiner Hand. Ein bebender Brustkorb, unterlegt von einem Röcheln im Rachen. Wieder Herzklopfen. Wieder Röcheln. Das ruckartige Öffnen des Brustkorbes spüre ich bis in die Fingerspitzen.

Es ist kein bekannter Rücken, auf dem meine Handfläche ganz sanft und doch voller Kraft liegt. 
Nach, oder besser- während eines inspirierenden, UMwerfenden Spazierganges mit einem Menschen, den ich kaum kenne, nehme ich nur kaum wahr, wie eine Omi nicht weit entfernt neben uns steht. Mitten im Gespräch vertieft höre ich Worte, die mich sofort handeln lassen. "Können Sie mir helfen?". 
Mr. "Kaum-kennend" und ich sind da. Zwei Sätze fallen, in denen geklärt wird, ob Hilfe geholt werden soll.
...
Mehr nicht.
Wir helfen ihr, sich am Auto abzustützen. 
Sie atmet schwer.
Wir legen beide intuitiv jeder eine Hand auf den Rücken der Dame und schweigen.
...  
Ich spür, wie sich ihr Herz mehrmals schnell hintereinander zusammenkrampft. Ihr Brustkorb löst einen gewaltigen Stoß nach dem anderen aus und aus ihrem Mund haucht ein Röcheln... und noch eins... und noch eins... 
"Es ist wie ein Anfall", sagt sie.
Wir schweigen...
Fast ohne Worte stehen wir da.
Ihr Körper bebt mit jedem Herzschlag. Ich bin ganz da und doch schicke ich all meine Kraft der Frau, die vor mir mit sich kämpft. Ich bin voll da und doch irgendwie auch nicht. Ich schaue abwesend in die Ferne. Leite wohl Energie oder sowas in meine Hand.
Ich ergreife ihre Hand, um sie zu halten. Nicht körperlich, sondern gedanklich ihre Hand nehmend und mit ihr spazierend. 

Gib nicht auf, kleines Herz. Mit unserer Ruhe und Kraft schaffst du es raus aus der Panik. Flüchte nicht- bleib bei uns. Wir nehmen dich, so wie du bist. 
...
Ganz ganz langsam spüre ich Ruhe in den immer langsamer werdenden Herzschlägen. Das Röcheln ertönt nun nurnoch nach längeren Abständen und so viel sanfter als vorher.
Es klingt nach Erholung. Ich lächel leicht. Ich spüre, dass meine Hände sich auf einmal eiskalt anfühlen. 

Ich schaue zu Mr. Kaum-Kennend. Er steht da- mit geschlossenen Augen und ist vollendst in seiner Aufgabe, weitere Energie an die schwache Omi zu schicken. Danke, dass wir gemeinsam einfach da sein können.

Hilfe kommt nach gefühlten 20 min. Sie wird in das Auto ihres Enkels geladen und bedankt sich.

Bitte kleine Omi. Bitte kleines Herz.

Und danke, dass ich diesen Moment ganz ich sein durfte

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