Zwergenschlaf- Wenn dein Kind das Schlafen hasst

Rückblick- Resignation und Hoffnungslosigkeit

3 Monate zuvor:

Gerade wieder einmal am Durchdrehen sitze ich hier und schreibe, obwohl ich jetzt die Zeit nutzen könnte, um zu Schlafen. Schlaf, den ich ganz dringend gebrauchen könnte. Heute war eigentlich nicht so viel los. Der kleine, drei Monate konnte nicht einschlafen, was ja durchaus mal sein kann. Aber da sind einfach noch die ganzen letzten zwei Jahre, in denen unser großer Junge oft nicht mit der Welt klarkam und immer noch nicht eins mit ihr ist. Auch das ist mal durchaus in Ordnung, wenn es denn kein Dauerzustand wäre. Jeden Tag schaut man auf die Uhr, versucht alles Punkt auf den Zeiger hinzubekommen, damit der Rest des Tages nicht zu einer einzigen Katastrophe wird. Mit Katastrophe meine ich, dass die Welt für unseren kleinen Wolf untergeht. Alles scheint falsch, nichts kann man tun und auch er selbst kann sich nicht glücklich machen. Da wird ein "hilf mal" zu einem Schreianfall weil "selber machen". Auch das, mal Ok. Wenn das aber jahrelang und bei jeder Kleinigkeit passiert und nicht mal eben 5 Minuten geht, sondern sich den ganzen Tag lang zieht, sind die Batterien irgendwann leer. Aufladen ist nicht. Keine Zeit. In der wenigen Zeit, die dann abends zwischen 22-23:30 Uhr ist, versucht man irgendwie noch seine Interessen reinzuquetschen und liest oder zieht sich vegetativ eine Serienfolge nach der Nächsten rein. Geil. Was für ein erfülltes Leben.

Und dabei sind die zwei Jungs so zauberhaft und mein Mamaherz schlägt bis zum Mond, wenn wir eine schöne Zeit verbringen. Leider werden die schönen Momente oft von überschattet von entstandenen "Regeln". Bloß die Zeiten einhalten. Punkt 12 Uhr essen, dann schlafen, weil zweiteres sonst zu einer Vollkatastrophe wird. Am besten auch den Übergang so unauffällig wie möglich gestalten, in dem man den Großen gleich vom Essenstisch auf den Topf setzt und von dort aus ohne jegliche Chance für die Aufmerksamkeit der Dinge drum herum ins Schlafzimmer fliegt. Gar nicht so leicht. Und mit zwei kleinen Kindern eigentlich gar nicht zu schaffen. Und trotzdem versucht man es, so gut es geht, denn sonst gestaltet sich das einschlafen mittags oder abends zu einem Einschlafmarathon. Da sitzt man dann schonmal bis 22 Uhr oder länger.

Einmal haben wir getestet was passiert wenn wir warten, bis unser kleiner König von alleine einschläft. Ach wohin. Bis 0:30 Uhr saß er dann am Tisch und spielte Rollenspiele mit Püppchen. Ab und an sind ihm dann die Äuglein unabsichtlich zugefallen und wir brachten ihn dann ins Bett. Dieses mal ohne großes Tralala.

Apropos tralala. Unser kleiner Komponist liebt es laut und voller Inbrunst zu singen. Mehrere Strophen und in abgewandelter Form. Da müssen Oma, Mama und Papa in der Grube hüpfen und ein Munnu kommt geflogen und Bruder Oscar hört die Glöcken nicht mehr. Eigentlich ja echt zauberhaft... Aber abends 22 Uhr ist der Zauber dann doch irgendwie verflogen, wenn die Oma die dritte Runde auf der Tusch Tusch Bahn fährt.

Unser Atem ist lang. Und das schon bald zwei Jahre. Die friedlichen Konzerte bis manchmal 23 Uhr sind da ja noch echt die schönsten Einschlafmomente. Dann gibt es da aber noch die ich-schrei-so-laut-und-schmerzvoll-laut-dass-alle-Nachbarn-denken-meine-Eltern-sind-böse-zu-mir Abende. Da wird getreten und sich gedreht, geflucht und geweint, dass einem das Herz blutet. Und man kann einfach GAR NIcHTS tun! Weder liebevolle Begleitung, noch klare Worte oder im beschissensten Fall resigniertes Laut werden bringt da irgendwas. Und ehrlich. Wir haben wirklich alles getan oder auch nicht getan.

Liebevolle Ratschläge können wir nicht mehr hören. Die Puste ist aus und doch müssen wir jeden Abend und Mittag aufs Neue loslaufen... Kaum Verschnaufpause und trotzdem klopft der nächste Marathon erneut an der Tür. Niemals könnten wir selbst 21 Uhr ins Bett gehen, denn da hat der kleine König einfach noch nicht seinen Tag fertig. Er denkt und denkt und denkt. Will die Welt bis zum letzten Krümel verstehen. Das ist toll. Wirklich atemberaubend, was in seinem Kopf vorgeht. Aber doch bitte nicht nachts.

Ich frage mich oft, ob es noch solche Kandidaten gibt. Kinder, die das Einschlafen hassen, als wäre es ein glibbriger Rosenkohl.

Und Eltern, die einfach keine Lösung finden für ein friedliches Einschlafen ohne dass man sich wie die schlechtesten Eltern der Welt vorkommt

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Die anonymen Schlafoholiker

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Heute:

Immernoch anstrengend. Aber ein bisschen was hat sich getan. Vor allem unser Kopf entlastet sich langsam. Er braucht Ruhe und Gelassenheit. Mehr Entspannung und Kraft zum Auftanken.

Aber was ist passiert?

* Wir versuchen Abläufe im Tagesablauf einzuhalten, lassen aber Spielraum für Eventualitäten. Nicht immer ist großer Bär auch wirklich müde nach dem Abendessen. Dann wird eben noch eine kleine Spielwelt aufgebaut, auch wenn in der Theorie von "zu viel Input" abgeraten wird. Meist spielt Tom (weil ich den kleinen Bären ins Bett bringe) in ruhiger Atmosphäre, wenn es draußen schon ganz dunkel ist, im sanften Wohnzimmerlicht noch ein wenig mit Tieren und Autos. Der Tag wird reflektiert und neu erworbenes Wissen wird eingebunden-Synapsen verknüpft. Wenn es dann langsam zu Müdigkeitsanzeichen kommt, ziehen die zwei ins Schlafzimmer um, nachdem sie die letzten Routineaufgaben wie Zähneputzen und Windel tauschen erledigt haben (das heißt allerdings nicht automatisch, dass großer Bär dort dann da einfach easy einschläft)

* Wenn es der gesättigte Appetit und die Stimmung vom kleinen Bären zu lässt, bringe ich den großen Bären (bisher selten der Fall) ins Bett und genieße die Zweisamkeit, während Papa sich mal nicht mit dem Einschlafthema beschäftigen muss

*Auch am Tage versuchen wir Momente und Spielphasen zu finden, in denen ich NUR für meinen großen Bären da bin

*Selbst mehr schlafen, auch wenn es schwer fällt, weil die ICH und WIR Zeit dann wegfällt

* Mittagsschlaf ungezwungen mal nach draußen verschieben und die Zeit zum quatschen nutzen, statt eh nicht mitschlafen zu können, weil immer irgendwer wach ist Zuhause

*Überhaupt mehr Luft und Raum lassen, auch wenns mal keinen Mittagschlaf trotz großer Notwendigkeit gibt oder der Tag voll mit autonomen Wutanfällen ist. Dann wird halt mal alles anders ablaufen. Dann gibt's eben mal nur wieder Nudeln und schnelle Soße

Was kannst DU nun noch tun, wenn dir die Augenringe bis zu den Nasenflügeln reichen?

*Reflektieren der eigenen Bedürfnisse, Emotionsauslöser und Stressoren.

Was genau brauche ICH, damit es mir gut geht?

Wer oder was löst wann Emotionen bei mir aus (z.B. Wut)?

Was stresst mich und wie kann ich diese Stressoren evtl ausschalten oder reduzieren (z.B. mal Wegwerfwindeln nutzen, auch wenns der ökologische Gedanke eigentlich nicht zulässt oder einen Haushaltshelfer engagieren)

* Anschauen des eigenen Schlafverhaltens. Wann schlafe ich? (vielleicht macht ihr für euch alle mal ein Schlafprotokoll)

Schlafe ich genug?

Wie schlafe ich?

Wie schlafe ich ein? Zerdenke ich alles oder ist mein Körper noch zappelig.

Gibt es Zusammenhänge zwischen mir und meinem Kind und was hilft mir?

Am besten beantwortest du dir diese Fragen schriftlich, denn so passiert die meiste Reflexion und du kannst eventuelle Muster gut erkennen und so Dinge Für Dein Kind und dichbEntwickeln, die ihm beim Einschlafen helfen können

*Schlafe! (haha, manches mal fragt man sich: Ja wann denn nur? Vor allem wenn das eigene Kind weniger Schlafbedürfnis hat als man selbst)

*Liebe dein Leben mit deinem Kind, genieße die Zeit, statt dich nur von Aufgabe zu Aufgabe zu hangeln. Bald sind sie groß und die Zeit kommt nicht zurück

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Ja. Wäre schön, wenn ich meine Tipps mal selber so strikt einhalten würde und mir mehr Raum zum Entspannen gönnen.

Mhhhh.

Nagut, dann geh ich jetzt mal schlafen ;-p