Schubladen auf- Welche Störung hat mein Kind?


Wir öffnen mal die gängigsten Schubladen, in denen Kinder gerne gesteckt werden, wenn sie sich außerhalb der "Norm" verhalten.

Schubladen sind ja eigentlich eine ziemlich blöde Sache, wenn man sie als Argumente für alles benutzt, sich mit diesem Stempel brüstet oder seine Kinder damit unabsichtlich diskriminiert und als Anders darstellt. Letzteres kann ziemlich übel für dein Kind enden, wenn es immer etwas Besonderes ist- jemand, auf den besonders Acht gegeben werden muss. Gerade Kinder untereinander können ziemlich fies werden, wie einige vielleicht an eigener Haut schon einmal erfahren haben

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Doch Schubladen können auch was, wenn man sie in richtigem Maße öffnet. Für einige können sie z.B. eine besondere Förderung bringen, die dem Kind helfen, sich besser zurecht zu finden. Außerdem kann man damit super Gleichgesinnte finden, die ähnliches erlebt haben oder gleich empfinden. Man ist nicht mehr allein. Denn nicht allein zu sein ist wohl mit die größte Unterstützung im Alltag, um nicht verrückt zu werden, wenn man seine Kinder oder gar sich selbst nicht immer versteht. Auch wir Großen lassen uns nämlich prima einordnen, in der Welt der Andersartigen, denn zum Glück sind wir alle einzigartig!



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Schublade 1- Hochsensibilität Oh ja die Hochsensibilität. Ich mag es echt gar nicht, sich oder andere eine Schublade hineinzupressen, aber als ich zum ersten Mal davon hörte, viel mir fast ein Stein vom Herzen, denn es ordnete so vieles in einem Leben, was ich vorher nicht verstand. Deshalb hier ein wenig ausführlicher, weil es für mich die Grundlage vieler Schubladen ist und doch meist nur andere Begriffe dafür verwendet werden (wie z.B. Die Regulationsstörung, siehe weiter unten)

"Bei hochsensiblen Personen, reagiert das „Nervenkostüm“ sehr empfindlich. Hoch sensible Menschen nehmen mehr Reize aus ihrer Umwelt und von ihrem Körper wahr (die Reize werden gesteigert wahrgenommen bzw. anders moduliert ‐ weitergeleitet und verarbeitet), als nicht sensible Menschen. Es können Reize sein, die den Spürsinn, den Gleichgewichtssinn, den Sehsinn, den Gehörsinn, den Geschmackssinn und/oder den Geruchssinn betreffen. Hochsensible Kinder: Ihre hohe Sensibilität kann sich in folgenden Bereichen äußern: Spürsinn: - Das Kind reagiert empfindlich bei bestimmten Materialien; kann irritiert sein bei flauschiger Kleidung - verweigert das Tragen von neuen Kleidern; Rollkragenpullovern, Schals, Skioveralls… (mag z.B. auch keine Etiketten bei T ‐ Shirts) - mag starke Temperaturschwankungen nicht (z.B. mag im Winter nicht nach draußen, mag nicht, wenn Schnee ins Gesicht fällt) - das Kind wendet sich bei leichter Berührung ab - es bevorzugt, andere zu berühren, als selbst berührt zu werden - lehnt das Essen mit den Händen ab - mag nicht, wenn Hände oder Gesicht schmutzig werden - verweigert Fingerfarben oder matschige Sachen (spielt lieber Sand mit der Schaufel, oder lässt andere das Graben erledigen) - zeigt Ablehnung beim Barfußgehen - mag das Duschen nicht - weint beim Frisieren, Haareschneiden, Zähneputzen

Gleichgewicht: - Das Baby reagiert mit Schreien und Steifmachen bei jedem Positionswechsel, z.B. wenn es zum Wickeln hingelegt wird - Vermeidet als Baby die Bauchlage - Krabbelt und robbt kaum; kommt gleich zum Stehen hoch - Das Kind zeigt Ängstlichkeit bei Bewegungsspielen, am Spielplatz, beim Stiegen steigen - Mag keine schnellen Bewegungen - vermeidet Aktivitäten, wo die Beine keinen Bodenkontakt haben, (das Kind hat Angst, wenn es in die Höhe gehoben wird) - Übelkeit und Erbrechen bei Bewegungserfahrungen wie Autofahren, Schaukeln; schaukelt nicht gerne oder nur sehr vorsichtig

Sehsinn, Gehörsinn: - Das Kind hört und sieht als Baby schon sehr viel, z.B. dreht Kopf beim Trinken bei Geräuschen im Raum weg - Nimmt auch leise Geräusche gut wahr - Sieht jedes Detail, kann sich in Details verlieren - Ist beim Fernsehen schnell überfordert - Mag Lärm und Licht beim Einkaufen nicht - Ist in der Schule von sehr bunt dekorierten Klassenzimmern schnell abgelenkt - Nimmt in der Klasse alles wahr, hört jedes Flüstern

Geschmacks‐ und Geruchssinn: - Mag keine intensiven Gerüche oder Geschmäcker - Ist heikel beim Essen - Mag das Essen nicht zu heiß oder kalt - Mag keine Kohlensäure - Vermeidet breiige Konsistenz beim Essen - Bei ungewohntem Essen reagiert es mit Würgereflex - Mag keine Duftkerzen oder Parfüms

Bei einem hoch sensiblen Kind können sich generell folgende Verhaltensweisen zeigen: - Mag keine Veränderungen - Vermeidet viel, blockt ab - Neigt dazu, immer wieder das Gleiche zu spielen - Hat oft Angst - Zieht sich in der Gruppe zurück oder wird schnell weinerlich oder auch aggressiv"

"Welche Aktivitäten oder Tätigkeiten tun meinem hoch sensiblen Kind gut? Aktivitäten, die nun viele Informationen vom Körper liefern (aus Muskeln, Gelenken und Bändern) wirken bei einer Übererregung beruhigend und organisierend. D.h. bestimmte Reize (z.B. Berührungen) können dann angepasster wahrgenommen und verarbeitet werden, bzw. Ihr Kind reagiert auf bestimmte Reize geordneter. Schieben, ziehen, heben, tragen, klettern,… sind Tätigkeiten, die aktiven Druck auf die Muskulatur ausüben. Das wiederum hat eine organisierende Wirkung auf das Nervensystem. Auch feste langsame Berührungen sind beruhigend (z.B. feste Umarmungen, feste Massagen, Einwickeln in eine Decke, mit kleinen Bohnensäckchen beschweren,…) Bewegung die langsam und rhythmisch ausgeführt wird, ist ebenfalls beruhigend. (Radfahren, Schaukeln in eine Richtung etc.)" Quelle: zartbesaitet.net

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Schublade 2- Regulationsstörung/ Sensorische Integrationsstörung Bekannt vor allem bei Babys, die viel schreien und sehr sensibel auf einige Sinne reagieren. Am meisten betroffen ist oft der Gleichgewichtssinn, weshalb hier z.B. Von schuckeln und Bewegungswechsel zur Beruhigung abgeraten wird. Wenn ich mir so die Merkmale der Hochsensibilität anschaue, ist genau DAS eine Regulationsstörung laut Ärzten. Joa, dann haben wir schonmal ein "zertifiziertes" hochsensibles Kind ;-p Ich habe über die "Regulationsstörung", deren "Symptome" und wie man das Kind positiv unterstützen kann schon einmal geschrieben. Genauer nachlesen könnt ihr es hier. Im Netz lassen sich leider nur recht kurze Infos mit gehäuftem Nutzen des Wortes "Störung" finden. Lässt euch davon bitte nicht beirren. Wir empfinden all diese "Störungen" als Besonderheit und versuchen uns auch in schwierigen Situationen das Positive daraus zu ziehen. Eine Warnsignale können laut josefinum sein: " Das Kind hat Schwierigkeiten, seine Befindlichkeit zu regulieren

Das Kleinkind kann keinen ruhigen Zustand organisieren

Häufig treten unstillbares Schreien auf

Schwierigkeiten im Trink- und Essverhalten

Schlafstörungen

Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung"

Manchmal taucht gekoppelt oder auch abgegrenzt der Begriff Sensorische Integrationsstörung auf. Einen kleinen Einblick darüber gibt es hier:

"Von einer Sensorischen Integrationsstörung spricht man, wenn das Reizangebot im Gehirn nicht ausreichend gut verarbeitet wird. Es kommt zur ungenügenden Übermittlung und Speicherung von Informationen aus dem eigenen Körper. Dadurch können die Informationen z.B. aus der Umwelt nicht aufeinander abgestimmt und adäquat verarbeitet werden. Man geht davon aus, dass ein Kind auf Informationen aus den 3 Basissystemen entweder zuviel (hyper), zuwenig (hypo) oder verwirrt (dys) reagiert. So gibt es z.B. im Gleichgewichtssystem über-/unterinformierte und dysregulierte Kinder, genauso wie vom Hautempfinden. Im tiefensensiblen System (Muskeln, Sehnen und Gelenke) reagieren die Kinder eher mit einer Unterinformiertheit, d.h sie sind ständig auf der Suche nach tiefensensiblen Reizen, über die sie ihren Körper besser spüren können. Auffällig werden die Kinder durch z.B. - verzögerte motorische Entwicklung - häufiges Stolpern oder Fallen, „Tolpatschigkeit“ - Angst und Unsicherheiten beim Klettern oder Schaukeln - mangelndes Sozialverhalten, z.B. plötzliche Wutausbrüche, Aggressivität, Ängste und mangelndes Selbstvertrauen - mangelnde Körpereigenwahrnehmung, z.B. falsches Abschätzen von Gefahrenquellen und fehlende Kraftdosierung - Ungeschicklichkeit beim Malen und im Umgang mit einem Stift, einer Schere oder Besteck / Werkzeug - Verspätete und unklare Entwicklung der Händigkeit - Mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeit, wenig Ausdauer sich mit Spielen auseinanderzusetzen - Schulische Leistungsfähigkeit ist behindert, z.B. Teilleistungsstörungen, Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie - Dyskalkulie - Sprachliche Entwicklung ist verzögert - Geräuschempfindlichkeiten"

Aussagen hier sind meist auf ältere Kinder ausgerichtet, sind aber näher betrachtet doch auch wieder Formen einer äußerst sensiblen Wahrnehmung. Also im Endeffekt wieder der gleiche Brei wie vorher beschrieben :-)

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Schublade 3- Körperkontaktstörung Leider leider gibt es dazu noch wenig Informationen im Internet und es ist auch nicht so verbreitet, dass MAN davon schonmal gehört haben könnte Deshalb möchte ich es hier mal kurz und knapp mit aufnehmen. Es hat bei uns eine sehr große Rolle gespielt und hat zu manch Erleuchtung im Alltag geführt Eine Körperkontaktstörung kann sich im Babyalter, aber auch später zeigen durch z.B. -Vermeiden und Ausweichen von Blickkontakt -Wegstoßen und/oder steif machen bei Körperkontakt -Gar kein oder nur kurzes Ankuscheln aus Eigeninitiative -Hand wegstoßen, wenn jemand versucht das Kind anzufassen/ weggehen bei älteren Kindern -Wenig Interaktion mit dem Gegenüber Es gibt er sehr ausführliches Buch zu dem Thema, in dem auch aufgeführt wird, warum Körperkontakt besonders lebensnotwendig ist, wie sich eine Körperkontaktstörung äußert und wie man sie "behandeln" könnte.

Bei uns persönlich war am aller wichtigsten, auf die Bedürfnisse unseres Zwerges zu achten und ihm immer wieder positives Feedback zu geben. So kann er sich heute auch immer mehr annähern und Berührungen zulassen.

---- Schublade 4- ADS/ADHS: Ein sehr spannendes Thema, wie ich finde, weshalb ich darüber sogar meine Facharbeit in der Ausbildung zur Erzieherin schrieb. Auch so manch Erwachsenen, mich eingeschlossen könnte man so durchaus auch schnell als ADS'ler bezeichnen, weswegen ich auch darüber schon einmal zwinkernd schreiben musste. Den kleinen Text vor den Symptomen, den ich von folgender Seite gefunden habe, musste ich mit einfügen, weil er kurz und knapp aufzeigt, für wen ADS denn eigentlich ein Problem ist: "Manche Menschen sind leicht betroffen und kommen mit ihrer Veranlagung mehr oder weniger gut zurecht. Sie würden ADS sicherlich nicht als Krankheit bezeichnen, sondern vielmehr als eine andere Art, die Welt zu sehen und auf sie zu reagieren. Andere Menschen sind stark beeinträchtigt, leiden erheblich und benötigen Hilfen. In diesem Fall hat ADS Krankheitswert. ADS würde nicht krank machen, wenn die Gesellschaft diese Menschen so akzeptieren würde, wie sie sind und sich auf ihre Besonderheiten einstellen würde. Da dies nicht der Fall ist, liegt es an den ADS-Betroffenen selbst sowie an denen, die für Kinder mit ADS Sorge tragen, das Leben mit ADS so angenehm wie möglich zu gestalten. Symptome Meist tritt ADS in Verbindung mit Hyperaktivität auf. Diese Verhaltensweisen sind Anzeichen für Hyperaktivität und eine gesteigerte Impulsivität: Das Kind - ist ständig in Bewegung und wirkt dabei „wie getrieben“ - kann sich nur mit Mühe auf einem Stuhl halten, rutscht darauf herum oder fällt damit um - zappelt häufig mit Händen und Füßen - läuft und klettert in unpassenden Situationen herumkann sich selten ruhig mit einer Sache beschäftigen - redet häufig wie aufgezogen - unterbricht andere oft beim Sprechen und/oder stört auf andere Weise - ist auffallend ungeduldig - handelt häufig ohne nachzudenken

Kinder mit ADS sind auffallend unkonzentriert. Typische Verhaltensweisen für Unaufmerksamkeit sind: Das Kind - achtet nicht auf Einzelheiten oder macht viele Flüchtigkeitsfehler - schafft es oft nicht, bei Aufgaben und Spielen bei der Sache zu bleiben - scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere mit ihm sprechen - hat Schwierigkeiten, Aufträge zu Ende zu bringen - hat Probleme beim Organisieren von Aufgaben - beschäftigt sich ungern mit Dingen, bei denen längere geistige Anstrengung erforderlich ist - verliert und vergisst oft Dinge - kann schlecht Ordnung halten - lässt sich leicht ablenken"

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Schublade 5 - Autismus Sehr speziell und doch heutzutage oft im Gespräch, da es viele Arten und gar auch Teilautismus gibt. Symptome sind hier kurz beschrieben: "Welche Anzeichen können darauf hindeuten, dass mein Kind autistisch ist? Die ersten Hinweise auf autistisches Verhalten zeigen sich meist vor dem dritten Lebensjahr und treten in drei Bereichen besonders deutlich auf: im Verhalten des Kindes gegenüber anderen Menschen, in der Kommunikation des Kindes mit anderen und darin, dass das Kind bestimmte Verhaltensweisen ständig wiederholt. Besonderheiten im Umgang mit anderen Menschen: Autisten … … achten und reagieren eher wenig auf Mitmenschen … haben Probleme damit, ein Gespräch zu beginnen … verwenden wiederholt bestimmte Wörter … tun sich schwer damit, Blickkontakt zu halten und ihre eigene Körpersprache richtig einzusetzen … tun sich schwer damit, eine Beziehung zu Gleichaltrigen aufzubauen (teilen kein Spielzeug etc.) … reagieren ungewöhnlich und oft nicht einschätzbar auf Ärger oder Zuneigung von Anderen Besonderheiten im eigenen Verhalten: Autisten … … sind oft sehr stark auf eine bestimmte Sache oder einen Gegenstand konzentriert … haben oft Schwierigkeiten in der Wahrnehmung und bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken, was zu einer Überforderung führen kann (Licht ist zu hell, Geräusche kommen ungefiltert an und sind zu laut) ... wiederholen oft eintönige Handlungen … haben oftmals großes Interesse an Ordnungssystemen wie Zahlen oder Symbolen … haben oft ein leidenschaftliches Interesse für ein bestimmtes Thema, das ein Leben lang anhalten, oder sich verändern kann … haben Angst vor Veränderungen (z.B. neue Vorhänge, anderer Weg zur Schule, unangekündigter Besuch) und können damit nur schwer umgehen – einfacher wird es, wenn sie vorher auf Veränderungen vorbereitet werden … halten deshalb recht unflexibel an bestimmten Gewohnheiten fest … haben teilweise Angst vor Berührungen und empfinden dabei Schmerzen … haben oft Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen … neigen zu unvorhergesehenen und unkontrollierbaren Handlungen oder zu Selbstverletzungen" Laut netdoctor.de kann sich Autismus bereits im Säuglingsalter bemerkbar machen: "So fallen die Babys früh durch ihre Andersartigkeit auf.

Dem Blickkontakt weichen sie aktiv aus, lehnen körperliche Nähe ab und reagieren nicht auf Gestik und Mimik.

Sie verstehen Gefühle nicht oder deuten sie falsch.

Und so interessieren sich autistische Kinder eher für Gegenstände als für Menschen.

Sie spielen lieber alleine als mit Gleichaltrigen oder den Eltern, und zwar mit einigen ausgewählten

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Schublade 6 – Hochbegabung


Na jetzt wird es aber spannend. Den Artikel, den ihr jetzt gerade lest, hatte ich schon vor einigen Monaten fertig. Aus welchen Gründen auch immer habe ich ihn aber nicht veröffentlicht. Er war noch nicht fertig, so mein Gefühl. Irgendwas fehlte… und dann entwickelte sich unser Sohn ganz rasant… zwei Jahre ist er nun geworden und seine hohe Intelligenz springt uns jeden Tag entgegen. Es ist kaum zu fassen, was er täglich neues lernt und erfasst, verarbeitet und in vorhandenes Wissen integriert. Musik scheint da sein absolutes „Steckenpferd“ zu sein. Er kann sicher an die 30 Lieder auswendig mit meist mehreren Strophen. Auch sonst spricht er viel über Vergangenes und transformiert Gelerntes auf andere Dinge. Sein ganzes Verhalten und Denken scheint sehr komplex. Er interessiert sich für Buchstaben und sagt „o Wie Oma, o wie oben“ und fängt an zu zählen. Schon ganz witzig der Alltag mit unserem Großen. Allerdings auch manchmal echt heavy, wenn man keine Ahnung hat, wann er „satt“ genug ist und gut in den Schlaf finden kann, ohne durchzudrehen.


Nun aber mal zur Theorie. Auf dghk.de fand ich eine gute Zusammenfassung von Anzeichen, die bei Kindern auf eine Hochbegabung hindeuten könnten:


„Nicht bei jedem Kind treffen alle Merkmale zu, eine Häufung von Merkmalen ist aber ein Hinweis auf eine mögliche Hochbegabung:


· Das Kind hat sehr früh ein starkes Interesse an seiner Umgebung.


· Es fängt früh an zu sprechen, „überspringt“ die Baby-Sprache, bildet sehr schnell ganze Sätze und verfügt über einen großen Wortschatz.


· Es zeigt früh ein starkes Interesse an Symbolen, wie Automarken, Firmen-Logos und dann auch an Buchstaben und Zahlen.

· Es löchert Erwachsene mit aufeinander aufbauenden Fragen – auch zu nicht vermeintlich „altersgerechten“ Themen.

· Es erfasst komplexe Zusammenhänge und überträgt diese auf andere Fragestellungen.

· Es hat Spaß am Lernen von unterschiedlichsten Themen.

· Es zeigt einen starken Gerechtigkeitssinn und hinterfragt Entscheidungen von „Autoritäten“. Hat es den Sinn dieser Entscheidungen aber eingesehen, folgt es ihnen manchmal mehr als 100-prozentig.

· Es verblüfft Erwachsene häufig mit Fragen nach Ursprung und Sinn des Lebens.

· Es bringt sich selber Lesen und Rechnen bei, ohne sagen zu können, wie es das geschafft hat.

· Es fällt durch eine starke Phantasie auf und zeigt Initiative und Originalität bei intellektuellen Herausforderungen.

· Es verblüfft durch ein gutes Gedächtnis.

· Es ist ausgesprochen sensibel für zwischenmenschliche Beziehungen.

· Es unterhält sich und spielt lieber mit älteren Kindern oder Erwachsenen als mit Gleichaltrigen.

· Es hat nur ein geringes Schlafbedürfnis.

Eltern haben manchmal Schwierigkeiten, eine Hochbegabung bei ihrem Kind zu erkennen und zu akzeptieren. Zum einen, weil das Wissen um Hochbegabung fehlt, zum anderen, weil man Komplikationen und sozialen Druck fürchtet und dies vermeiden möchte. Manchmal haben Eltern auch einfach nur Angst, durch das Kind überfordert zu werden. Hochbegabung ist teilweise auch erblich bedingt. Das Eingeständnis, dass das Kind hochbegabt ist, könnte auch bedeuten, dass man selbst oder der Partner (oder auch beide) besonders begabt sind.

Hochbegabte Kinder haben – wie andere Kinder – viele Eigenschaften. Das bedeutet, dass nicht jede positive oder negative Eigenart eines Kindes auf seine Hochbegabung zurückzuführen ist – so angenehm diese Annahme auch manchmal sein dürfte.“ ----- Keine Schubladen, aber tolle Anregungen

findet man auch bei Nora Imlau und Jesper Juul Nora Imlau spricht in ihren Buch "So viel Freude, so viel Wut" dabei von gefühlsstarken Kindern mit folgenden "Anzeichen": 1. Mein Kind erlebt Gefühle unglaublich intensiv. 2. Mein Kind ist extrem ausdauernd und hartnäckig. 3. Mein Kind ist überdurchschnittlich sensibel. 4. Mein Kind ist außergewöhnlich offen für alle Eindrücke. 5. Mein Kind kann Abweichungen von Routinen kaum aushalten.Mein Kind empfindet jede äußere Struktur als Freiheitsberaubung. 6. Mein Kind hat scheinbar niemals endende Energie. 7. Mein Kind tut sich sehr schwer mit Veränderungen 8. Für mein Kind ist das Glas oft halbleer.

Nora Imlau beschreibt viele, viele Alltagssituationen, in denen man sein Kind oft wiederfindet. Es ist verblüffend, wie viel Präzision in einzelnen Szenen stecken, die 1 zu 1 zur eigenen Familie passen könnten. Dabei gibt sie aber auch ganz konkrete Tipps und macht Aussagen, die einem wirklich weiterhelfen können! Am aller schönsten finde ich, dass sie quasi immer bedürfnisorientiert herangeht. Und doch versucht sie auch die Gesellschaft, der man sich leider zumindest teilweise fügen muss, mit einzubeziehen. Jesper Juul wiederum spricht von autonomen Kindern. Einen sehr schönen Artikel dazu fand ich hier " -So sehr sie mich nach Wutanfällen braucht, so sehr führt sie den Kampf mit mir. Egal, was ich sage, es kommt ein Veto oder ´mach ich sicher nicht´ bzw. ein ´Wieso muss ich immer machen, was ihr sagt, ich kann über mein Leben selbst bestimmen´…Das kostet gerade morgens so viel Zeit und Energie….- Obwohl diese Aussage auch an die kindliche Autonomiephase (bekannter als Trotzphase) erinnert, gibt es hier dennoch einen Unterschied zu Kindern, die bereits von Geburt an diese Verhaltensweisen haben – es sozusagen ein Teil ihres Charakter ist. Jesper Juul nennt diese Kinder „autonome Kinder“. Die Merkmale, die er ihnen zuschreibt, sind im Wesentlichen die folgenden: - Sie kennen und beachten ihre Bedürfnisse genau und ohne Ausnahme - Sie nehmen ihre persönlichen Grenzen ernst - Sie lassen sich nicht manipulieren - Sie mögen keinen Körperkontakt, der nicht von ihnen ausgeht - Sie weichen vor jedem erwachsenen Verhalten zurück, das nicht vollkommen authentisch und frei von pädagogischer Manipulation ist - Sie sagen nur dann Ja, wenn sie die absolute Wahlfreiheit haben - Sie benehmen sich oft wie reife Erwachsene, die ein ausgeprägtes Selbstbild haben - Sie wollen immer ihre Würde und Integrität wahren Die “absolute” Formulierung drückt es vielleicht etwas überspitzt aus, aber im Grunde lassen sich die Punkte durchaus gut in den Kindern erkennen. Wie äußern sich diese Merkmale im Alltag? Bei einigen äußert sich dieses Verhalten vorwiegend zu Hause, bei anderen aber auch außerhalb. Hier sind einige Beispiele von Frühlingskindermama *), obwohl, wie ich finde, nicht alles immer in gleicher Intensität auf jedes Kind zutreffen muss: Im Babyalter: starker Wille, immerzu wach, neugierig und aktiv, nicht kuschlig, aber sehr anhänglich, sehr weit entwickelt und “überhaupt nicht so, wie wir uns ein Baby so vorgestellt hatten”.Manchmal sind das Babys, die die Eltern an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringen können. Wenn sie zur Welt kommen, haben sie oft schon einen reifen Gesichtsausdruck. Eine Mutter meinte dazu „…wie wir Freunde besuchten, als der Große gerade 3 Wochen alt war, sagte die Freundin als Erstes, dass er wie ein weiser alter Mann aussehen würde…“ Kinder brauchen Nahrung: in Form von Fürsorge und Liebe. Den meisten Kindern kann man das einfach vorsetzen. Autonome Kinder dagegen benötigen diese Nahrung “vom Buffet”, damit sie sich davon nehmen können, wann immer sie wollen. Man kann diese Kinder kaum zu etwas animieren, dass sie nicht selbst wollen. Sie lassen sich nicht korrumpieren. Man kann ihnen auch nicht drohen oder sie bestechen. Sie besitzen eine außerordentlich stark ausgeprägte Integrität. Eine an sich sehr gute Eigenschaft, aber im Alltag kann sie für Eltern eine große Herausforderung darstellen. Diese Kinder wollen selbst bestimmen. Sie lassen sich nicht manipulieren. Sie sind vollkommen bei sich, aber dadurch natürlich auch ab und zu sehr einsam.Willensstärke kann grundsätzlich als ein sehr positiver Charakterzug gesehen werden. Es kostet dennoch sehr viel Kraft, die Gedankengänge dieser Kinder zu erforschen, um sie doch noch zu einer Kooperation zu bewegen. Die meisten autonomen Kinder kommen sehr gut im Kindergarten oder Schule zurecht oder wenn sie mit anderen Kindern spielen. Aber sie reagieren allergisch auf pädagogisches Süßholzraspeln. Sie bemerken sehr schnell, wenn Pädagoginnen und Bezugspersonen nicht authentisch sind oder sich nicht sicher sind. Da kommt es dann schnell zu einem Kräftemessen. Kinder wie diese benötigen keine Strafen. Es geht vielmehr darum, dass man ihnen sagt: “Ich bin dabei, zu lernen, wie ich mich verhalten muss, damit es dir gut geht.” Dann müssen sie nicht so viel Energie darauf verwenden, ihren Willen durchzusetzen.Abgesehen davon, dass Kinder grundsätzlich keine Strafen brauchen ” /> geht es hier darum, Konfliktpunkte schon im Ansatz zu vermeiden, Bedürfnisse versuchen zu verstehen und somit dem Kind entgegen zu kommen – was in einem hektischen Alltag oft nicht geht. Wenn Eltern unaufdringlich ihre Hilfe anbieten und sich aller Erklärungs-, Motivations- und Manipulationsversuche enthalten, dann nehmen autonome Kinder diese Hilfe gern an. Ihr Körper entspannt sich, und ihre Erleichterung, der Einsamkeit entronnen zu sein, wird deutlich. Erst wenn die Eltern ihre Eigenart voll und ganz akzeptieren, lassen sie es zu, dass man sich um sie kümmert und sie umsorgt."

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So jetzt aber- Schubladen und Vorhänge zu. Vergesst nicht, alle Menschen sind einzigartig. Besonders unsere noch nicht so verkorksten Kinder. Sie haben es verdient, mit ihrer Persönlichkeit anerkannt zu werden. Wir müssen wohl nur einen neuem Weg finden, miteinander umzugehen, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden. Und da hilft ein Leben nach der Norm, wie es doch alle tun, meist eher nicht. Denn oft werden Bedürfnisse übergangen oder müssen in Schema F gedrückt werden, damit das normale Leben der Gesellschaft schnell voran schreiten kann. Das aber Schnelligkeit und Perfektionismus in all unserer Leben nichts zu suchen hat, müssen viele, mich eingeschlossen, wohl noch lernen.

Schublade zu. Und Tschüss