Gerettet + 1.Hilfe PDF



Es kann schneller gehen als man denkt und plötzlich hätte man gerne noch gewusst, wie das mit der ersten Hilfe nochmal war. (PDF ganz unten)⬇️


Unsere Geschichte:

⚠️Achtung, nicht lesen, wenn du schnell Betroffenheit spürst und damit nicht umgehen kannst bzw möchtest! ⚠️


-14.April 2021-


Eigentlich war es ein ziemlich idyllischer Moment. Ich saß mit meinen zwei Kindern am Tisch auf der Sitzbank. Wir aßen ein bisschen Nachmittags-Snack. Erst gab es etwas Spinat und Kartoffelbrei und dann fragte unser Großer nach Cashewkernen. Ja klar, unsere Lieblingsknabberei. Klein R. wollte natürlich auch.


Da saßen wir nun. Einer links, einer rechts von mir.

R. stelle sich, wohl mit vollgestopften Mund hin und schaute raus zum Fenster. Ich glaube er wollte sich wieder zu uns umdrehen, als sich seine Beine ineinander verhaKten und er volle Kanne mit der rechten Augenbraue gegen den Tisch knallte.

Schon während des "Fluges" dachte ich laut "Oh nein, scheiße", weil es aussah, als müsste das ziemlich wehtun. Ich fing ihn noch halb auf und sah, wie er sich mit den Händen an den Mund fasste und ein paar zerkaute Cashews herauskamen.

Ich wollte ihm helfen, doch irgendwas war komisch. Er hielt sich am Hals glaube ich.


Ich schaute in sein Gesicht.


Nein!


Ich schaute in Augen, die nach Tod aussahen. Seine Sauerstoffzufuhr war völlig zu.

"Fuck. NEIN!"


HANDELN. SOFORT HANDELN.


Ich zwängte mich so schnell es ging aus der Sitzbankecke mit meinem Kind.


"Nein R.!" schrie L.


Ich hockte mich auf den Teppich, warf R. über meine Knie und haute ihn mit der Hand zwischen die Schulterblätter. Immer wieder.


"Scheiße. Nein." Rief ich glaube ich.

"Nein R.!" kreischte mein Großer "Er ist doch noch so jung!"


R. wurde schlaff.

Nein!

Panik.

Angst.

Es funktionierte nicht! Wieso funktioniert das nicht.


Handeln!

Ich rannte zur Tür.


L. kreischte hinterher.


"L. klingel überall, wir brauchen einen Notarzt!"


Ich rannte auf Socken und ohne alles mit meinem schlaff hängenden Kind vor die Haustür.

Auf dem Weg klingelte ich noch bei einer Nachbarin. Ich schrie durchs ganze Haus : Wir brauchen einen Notarzt! SCHNELL!"


Keiner reagierte.


Ich hakte noch die Tür unten ein, damit ich Zugang zu L. hatte und er zu mir.


Immer wieder haute ich kräftig auf R.'s Rücken, während er vorüber auf meinen Knien hing.


"Hilfe."

Klopfen. Klopfen.

"HILFE! Scheiße! Mein Kind stirbt!"


Ein Spaziergänger kam und rief den Notarzt.

Ich klopfte weiter. Schaute R. an.


Er war blau, glaube ich. Bewusstlos vielleicht.


Ich weiß es nicht mehr genau.

Ich sah meine Nachbarinnen kommen und dachte Gott sei dank, doch selbst waren sie völlig schockiert.


"Du musst ihn wiederbeleben"


Ich war irritiert. Ich drehte ihn auf den Rücken.

Nein.

Ich glaube nicht. Er hat sich doch verschluckt.


"Geh bitte zu L.!" rief ich.


Wieder haute ich verzweifelt auf seinen Rücken.

Zwischendurch beantwortete ich dem Spaziergänger Fragen und sagte, sie sollen endlich kommen, er stirbt.


Oder so.

Irgendwo an diesem Punkt habe ich keine Ahnung mehr, wie es genau abgelaufen war.

Ich hatte zwischendurch schon Gedanken im Kopf :

Es ist vorbei.

Er ist Tod.

Der Notarzt kommt nicht rechtzeitig.

Was ist mit L.?


Tausende Filme liefen in meinem Kopf ab.

Was wäre wenn..?

Ich haute weiter.

Auf seinen Rücken.


Eine weitere Nachbarin von gegenüber kam angerannt.


Ich glaube, da hatte R. bereits etwas Luft bekommen.


"Schau mal. Er ist wieder da!"

Waren ihre Worte.


Ich brach in Tränen aus und umarmte mein Kind.


"Wir haben es geschafft! Das hast du gut gemacht!" sagte ich R.


Nach vielleicht 15 min insgesamt kam der Notarzt.

Viel zu spät, hätten mein Sohn und ich es nicht irgendwie gemeinsam geschafft.


Zitternd vor Kälte hielt ich meinen schwachen Jungen eingemurmelt in einer Decke im Arm.

Die Nachbarin von gegenüber hatte uns ins Treppenhaus gebracht.

Immer wieder fragte ich nach unserem großen Sohn. Er sollte nach diesem Moment nicht allein sein!

Der Notarzt konnte nicht mehr viel tun, außer uns ins Krankenhaus fahren und Werte checken.


Ganz vorbei war der Horror aber noch nicht.


R. röchelte beim atmen, war blass und müde.

Wir bekamen etwas Sauerstoff für ihn.


Mein Mann kam von Arbeit und schmiss uns noch fast unwissend über die Situation Schuhe, meine Tasche und ein Tragetuch in den Krankenwagen.


Weg waren wir.


20 min zum Krankenhaus.

Die Sauerstoffsättigung wurde besser und er fing wieder an zu quatschen.


Tränen kullerten meine Wange hinunter.

"Danke". Flüsterte ich. "Danke, dass du noch da bist"

Wir unterhielten uns den Weg über und plauderten über Tatütata und den Transporter, der uns zum Krankenhaus brachte.

...


Im Krankenhaus dann, wollte ich meinen kleinen Wurm wickeln, denn schon auf dem Weg lief seine Windel auf meinem Schoß aus.

Zwischen hin und her wandernden Ärzten und Schwestern legte ich R. hin und begann zu wickeln.


Fuck. Er ringte wieder etwas nach Luft.

Scheiße, da ist noch was drin!

Ich schaute mich um, doch keiner der 4 Fachmenschen um mich herum im Zimmer reagierten.


Ich, noch im Schock vom ersten Mal sagte "Hey- können Sie mal was tun, er kriegt kaum Luft "


Der zuständige Arzt reagierte ganz unbeholfen- nämlich gar nicht . Die Schwester aus dem Krankentransport meinte dann "Sie können ihn unterstützend auf den Rücken klopfen und vorgebeugt lagern"


Toll.

Sicher fühle ich mich hier nicht.


Wie eine Ewigkeit kam es mir vor, bis wir weiter zum Röntgen geschickt wurden, wo ich ihn wieder hinlegen sollte.


"Äh geht das auch anders? Vorhin hat er beim hinlegen Atemnot gehabt. Ich möchte nicht, dass er das nochmal erleben muss!"

Keine Möglichkeit. Voller Bedenken legte ich ihn hin und war allzeit bereit, ihn sofort wieder aufzusetzen und auf den Rücken zu Klopfen.


Alles ging gut.

R. machte das super!

Ich machte das super!


Wir kamen weiter zum OP.

Ich wurde darüber aufgeklärt, dass mein Kind jetzt in Narkose versetzt wird und ihm dann mit Hilfe einer kleinen Zange der Rest rausgeholt wird, falls noch was vorhanden.

Nicht ganz risikolos, denn 2% der Kinder überleben das nicht .

Mir war das bereits vor der Aufklärung bewusst, doch nun ich brach in Tränen aus.


Wieder bangen. Wieder Ängste.

Und diesmal kann ich nicht mal bei ihm sein.


Die Zeit verging recht schnell, denn ich telefonierte zur Ablenkung mit meinem Mann und meinem Bruder.


Der hilflose Arzt von vorher kam im OP Kittel zu mir und sagte, alles super, alles gut verlaufen.


Puh.


Wir gingen zum OP.

Schon vor der Tür hörte ich mein empörtes Kind schreien. Als wir reinkamen sah ich eine Schwester, die ihn festhielt, während die andere versuchte, ihm die Sauerstoffmaske aufzusetzen.


Wie ein wilder trat und schrie er um sich. Hoch roter Kopf.

Ok, es geht ihm gut, dachte ich und eilte ihm entgegen "Ich bin da! .Mama ist da!"

Mein kleiner Sturkopf. Wenn er was nicht will, dann zeigt er dies, spür- und hörbar für alle.


Ich nahm ihn ins Tragetuch und sprach ihm beruhigend zu.


Naja. Beruhigend mehr und vor allem weniger, denn er beschwerte sich immer noch kräftig über die Ärzte, die ihn einfach unter Narkose gesetzt hatten..


Wir blieben noch eine Nacht zur Kontrolle.

Mein kleiner Wirbelwind war schnell wieder wohl auf und machte Faxen.

Mit einem riesigen Batzen schrecklicher Erinnerungen und zwei kleinen Stückchen zerkauten Cashewkernen, gingen wir nach Hause...

Mit einem riesigen Batzen schrecklicher Erinnerungen und zwei kleinen Stückchen zerkauten Cashewkernen, gingen wir nach Hause.

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Dein PDF zu Reanimation und 1.Hilfe bei Erstickungsgefahr durch Fremdkörper findest du hier:


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