Dein Kind- dein Spiegel... und der Spiegel deiner Eltern...

Dass sich all unser Verhalten auch im Kind wiederspiegelt, war mir bewusst. Sind wir gestresst, ist das Kind eher wild. Sind wir entspannt, sind unsere Kinder meist freudig gestimmt. So weit so gut.

Nun habe ich durch Zufall eine Mama beobachtet, bei der ich weiß, dass Ihr Kind eines der explosiveren Sorte ist. Sie war ganz liebevoll mit ihrer Tochter und doch spürte man ganz deutlich eine permanente Anspannung in ihr. "NEIN Stella, das Buch hat der Johann gerade, das kannst du jetzt nicht haben!" Ihr Puls wurde scheinbar höher, weil sie damit rechnete, dass ihr Kind gleich hochfährt, einen verbalen Ausraster bekommt oder gar etwas durch die Gegend schmeißt. "Setz dich doch zu uns und schau mit rein" versuchte ich den Stress aus der Situation zu nehmen. Stella schien ein klein wenig irritiert von dem Angebot und wusste nicht recht, wie sie reagieren sollte.

Aha.

Ich beobachtete und reflektierte mich selbst. Wie oft ich schon unentspannt reagierte, obwohl am Ende doch alles voll easy lief.

Und doch gibt es meistens die Momente, in denen sich meine Katastrophengedanken erfüllten.

Ein Kind verhält sich oft so, wie man es von ihm erwartet. Gehe ich also davon aus, dass Ulla immer sehr hilfsbereit ist und beim Auspacken der Einkaufstaschen mit hilft, während Antony derweil seine ganze Spielecke auseinandernimmt, weil er nichts mit sich anzufangen weiß - wird das wahrscheinlich genau so auch passieren. Auch das wusste ich. Aber es von außen betrachtet zu sehen und diese Gedanken miteinander zu verknüpfen schien mir die Chance zu sein, etwas mehr Luft zum Atmen in den Alltag mit meinem Schnuffelpo zu bringen.

Betrachte man doch einfach mal Situationen, in denen man sich unbehaglich fühlt, weil man z.B. einen Gefühlsausbrüch seines Kindes erwartet, von außen. Ist gerade alles ok? Ist alles entspannt? Super. Dann genieße es. Nimm dieses Gefühl und geh mit ihm an der Hand weiter. Dein Kind wird deine innere Ruhe spüren und vielleicht wird sogar kein Ausbruch erfolgen.

Leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn sich erste Anzeichen eines unzufriedenen Kindes zeigen. "Nein Mama, ich will das nicht!!!!!"

Alles easy! Dein Kind sagt nur, was es nicht möchte und du teilst ihm freundlich mit, was DU möchtest! "Ich möchte rausgehen einkaufen und ich WüNSCHE mir, dass du mitkommst"

Das ist doch schon mal viel freundlicher, als "Tschüss, dann geh ich eben alleine"... Oftmals ist das aber leider unser "bester" Joker im Ärmel, der fast immer funktioniert. Leider zu Ungunsten des kleinen Wesens vor uns, welches wohl kurz eine große Angst verspürt, dass es dann allein gelassen wird- ohne Mama und Papa.

So ganz die perfekte Lösung hab ich da selbst noch nicht gefunden, wenn auch mein WUNSCH mein Kind nicht pikiert und es einfach an dem weiter machen will, was es gerade tut. Auch etwas mit nach draußen nehmen von dem Spiel klappt leider nicht immer.

Aber nochmal zurückgeschaut- Ich hatte am selben Tag noch eine Unterhaltung mit einer Fachfrau, die mir mein Verhalten mit einem Fachbegriff untermalte. Familiendynamik. Und da wird es spannend!

Unsere Verhaltensweisen und vor allem auch der Umgang mit Konflikten sind größtenteils schon vorprogrammiert durch die Verhaltensweisen unserer Eltern, durch Geschwisterkonstellationen und auch Umbrüche wie Umzug, Tod oder Ähnliches. Natürlich sind wir noch wir selbst mit all dem, was wir in unserem Leben so erlebt haben, mit neuen Umbrüchen, eigenen Kindern und vielleicht sogar viel Selbstreflexion. Dadurch verändern sich Strategien, entwickeln sich weiter und es entstehen neue, aber eben doch oft ähnliche Muster wie die unserer Eltern. Einen kleinen, schön zusammengefassten Artikel dazu findet ihr

hier

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Und ein sehr spannendes Video dazu gibt's

hier

Habt ihr schon mal was von Familienaufstellungen gehört? Die sind nämlich dazu da, genau das aufzudröseln. Vor allem dann, wenn man z.B. an seine Grenzen stößt, weil man gerade Mutter oder Vater geworden ist, ist dies ein sinnvoller Schritt, sich selbst zu verstehen, denn oft konfrontieren uns gerade unsere Kinder mit unserer eigenen Geschichte. Sie halten uns den Spiegel vor und sind doch so ganz anders als wir, denn sie entstanden ja aus dir und deinem Partner mit euren Geschichten und Verhaltensweisen. Sie erlebten eigene Umbrüche wie zum Beispiel ein Geschwisterkind oder mussten einen Todesfall mit erleben. Sie sind eine perfekte Mischung aus sich selbst, aus euch und der Umwelt mit all deren Geschehnissen und Menschen mit ihrer eigenen Geschichte.

Es lohnt sich schon sehr, dahinter zu schmulen und zu erforschen, wie das eigene Konstrukt entstanden ist.

Den Kern meiner Aussage nochmal beleuchtet, scheinen unsere Kinder als eine ihrer Aufgabe zu haben, dass sie uns spiegeln und uns so damit konfrontieren, uns mit uns selbst auseinanderzusetzen.

Wer bin ich und warum bin ich genauso so, wie ich bin?

Man muss nur offen sein und gefasst darauf, dass man seinen Eltern doch oft ähnlicher ist, als man es sich wünscht. Gerade dann, wenn man ihre Konfliktlösestrategien kritisiert.