Unser hochsensibles Baby- Regulationsstörung? Was können wir tun?


Wir können nicht mehr. Das war unser stetige Antwort auf die Frage, wie es uns denn geht. Da mag man meinen, man müsse doch vor Elternglück bis über beide Ohren strahlen und fortwährend erzählen, wie schön doch alles ist. So sehr wir uns das auch wünschen, aber dem ist leider nicht so. Seit nun 6 Monaten gibt es kaum einen Tag Pause. Kein Tag ohne Schreien, Quengeln oder permanentes Eeehhh Eeehhh Eeehhh, was an ein U-Bahn-Tür-schließt-jetzt-geräusch erinnert. Dabei ist unser kleiner Knirps doch ein so zauberhafter Kerl. Er grinst oft über beide Ohren, sobald man ihn anlächelt oder kreischt vor Freude und das trotz ständiger Müdigkeit, wenn Mama und Papa Faxen machen. Seine Motorik ist faszinierend weit. Er dreht sich fleißig seit fast 3 Monaten auf den Bauch und zurück, zieht sich im Kinderwagen in den Sitz und übt fleißig Krabbeln. Die Fortbewegung läuft zwar rückwärts oder im Kreis, aber aufgegeben wird niemals! Hier gibt es lauthals ein Meckern und Krächzen, warum zum Teufel er denn nicht vorwärts kommt. Er ist schon toll, der kleine Mann und doch sind wir am Ende unserer Kräfte. Wir sind in Daueralarmbereitschaft, denn sobald er sich eingejault hat, findet man so schnell keine Lösung. Bauchgefühl gibt's in vielerlei Hinsicht kaum noch, denn es scheint, als ob nur allein eine falsche Bewegung oder Tat unsererseits sein inneres Gleichgewicht völlig aus der Bahn wirft. Da wird abgegrast "Hunger. Pippi. Müde" und einzig beim Pippi können wir helfen, in dem wir ihn abhalten , denn in eine Windel pullert er nicht gern. Beim Stillen im Sitzen biegt er sich durch und stößt sich weg. Beim Stillen im Liegen schluckt er Luft und muss permanent Spucken. Einschlafen geht nur mit Stillen oder manchmal nach Ewigkeiten im Tuch oder Wagen. Einen Kinderwagen mussten wir holen, weil er sich im Tuch oft wegdrückte (das hat sich mittlerweile gelegt). Das er Körperkontakt nicht erträgt, macht uns ganz schön zu schaffen. Einzig allein über der Schulter schauend oder rückwärts auf dem Schoß sitzend geht es einigermaßen. Ansonsten durchbiegen und durchdrücken. Ärzte und Ergotherapeuten diagnostizieren: Regulationsstörung in Kombination mit Körperkontaktstörung Nun bekommen wir erneut Ergotherapie, aber Zuhause, nach dem wir uns an den Sozialpädiatrischen Dienst (Spz) wandten. Uns wurde einiges klarer, als man uns die Theorie hinter seinen Regulationsproblemen erklärte. Was heißt denn überhaupt Regulationsstörung? Einfach gesagt: Dein Baby hat Probleme damit, sich selbst zu regulieren. Erst einmal ist es wichtig zu wissen, mit welcher Regulation dein Baby Schwierigkeiten hat. Dabei beobachtet man seine Sinneswahrnehmungen und die (gern auch verzögerten) Reaktionen darauf. Da hätten wir also die visuelle Wahrnehmung (sehen), die Taktile (also alles, was mit Berührungen zu tun hat), die Vestibuläre (alles rund ums Gleichgewicht), das Auditive (hören) und manchmal sind auch der Geschmack und Geruchssinn betroffen. Einige hängen auch zusammen oder bedingen sich gegenseitig. Hinzu kommen die verschiedenen Wahrnehmungstypen. Im Normalfall nimmt ein Mensch etwas wahr. Er schaukelt z.b auf der Schaukel und merkt irgendwann -Ach nee, dass wird mir jetzt zu viel, ich steig mal lieber ab. Dann gibt die sogenannte Überinformiertheit. Man setzt sich auf eine Schaukel. Schwingt dreimal hin und her und ist schon durch damit. Reicht. Zuviel. Und als Drittes gibt es die Unterinformiertheit. Man schaukelt und schaukelt und schaukelt. Man braucht immer mehr davon und am Ende merkt man -vielleicht sogar auch erst Stunden später, dass das zuviel des Guten war. Und so ists eben auch bei unseren besonderen Babys. Sie nehmen Sinneseindrücke unterschiedlich wahr. Und dabei kann ein Kind z.b. visuell unterinformiert sein, gleichzeitig im Gleichgewicht aber überinformiert. Das heißt, bei zu viel Schnuckeleien fängt es sofort an zu brüllen, weil es zu viel wird ; sehen will es aber immer mehr und mehr und am Ende des Tages reichen die Reserven aber nicht aus, um Gesehenes verarbeiten zu können. Gehen wir nun mal auf die verschiedenen Sinnesreize ein. Fangen wir mit dem (für uns) Wichtigsten an: Dem Gleichgewicht Unser Baby schreit. Wir wissen, es hat keinen Hunger, ist nicht müde, sondern braucht einfach nur Beruhigung von Mama und Papa. Was machen wir also? Wir greifen in unsere Instinktkiste, nehmen unser Baby in den Arm- meist liegend- und schaukeln es, bis es ruhig wird. In der Theorie ist das super. In der Praxis und bei den Konsequenzen daraus, sieht das allerdings bei einem Baby mit Regulationsproblemen anders aus. Zuerst einmal ist jegliche Waagerechte unangenehm. Vorallem Neugeborene haben arge Probleme damit, auf dem Rücken abgelegt zu werden. Kommt jetzt noch das Schuckeln und Schaukeln dazu, ists aus mit der Friedlichkeit. Dabei lässt sich so manches Baby doch jetzt beruhigen und schläft vielleicht sogar ein. Hat es dann keine Probleme mit dem Gleichgewicht? Vielleicht doch. Denn die Auswirkungen können noch Stunden später zu spüren sein, weshalb die meisten Schreiattacken gen Abend rutschen. Wie erkenne ich also noch, dass mein Kind schwer mit Gleichgewichtsunterschieden klar kommt? Einige Babys können sich selbst nicht gut spüren und im Raum einordnen, weshalb sie in der Rückenlage z.b stark nach Auflagefläche und Gegendruck suchen, in dem sie die Arme ausbreiten oder mit den Beinen aufstampft. Auch das wilde unkontrollierte Herumfuchteln mit Armen und Beinen oder das heftige Wackeln mit dem Kopf in Bauchlage deutet auf ein Regulationsproblem hin. Das Taktile Ein Baby, das taktil empfindlich ist, mag keine zögernden und zaghaften Berührungen. Mit weichen Spielzeugen und Kuscheltieren kann es nicht viel anfangen. Oft kann diese Empfindlichkeit auch dazu führen, dass ein Kind eine Körperkontaktstörung bekommt. Das heißt, es verbindet unangenehme Berührungen mit Körperkontakt. Und daraus folgend wird der direkte Körperkontakt z B. zu den Eltern immer mehr gemieden. Unser Kleiner z.B. lässt sich nur mit dem Rücken zu uns tragen oder über die Schulter gelegt. Beim Tragen im Arm oder Stillen drückt er sich weg und biegt sich durch. Kuscheln ist nur nachts oder direkt nach dem Aufwachen möglich. 5 Monate hatten wir nur ein Tragetuch und mussten uns dann leider doch einen Kinderwagen zulegen, weil es zwischen uns wie ein Kampf war. Leider ist, genau wie beim Gleichgewichtssinn, kaum zu vermeiden, dass Kind nicht zu überstimulieren, denn der Alltag eines Babys besteht aus hochheben, ablegen, anziehen, ausziehen, waschen. Massagen und Streicheleinheiten kann man gleich ganz sein lassen. Auch Baden gehen ist schwierig und waschen beschränkt sich bei uns nur aufs Nötigste. Wir haben dazu auch noch einen kleinen Spucki. Da müssen wir entweder permanent umziehen oder, um das zu vermeiden, die Kleidung ständig trocken föhnen. Hat man dazu einen auch im auditiv empfindlichen Säugling, hat man den Jackpot gezogen, denn unser kleiner Zwerg kreischt den Fön, den er vor einigen Monaten (im Winter) noch liebte, lauthals an. Da kommen wir doch auch gleich zum nächsten Sinn Das Auditive Geräuschempfindlichkeit erkennt man sehr gut daran, dass ein Baby beim kleinsten Pieps zusammenzuckt. Vorallem im Schlaf ist dies auch zu beobachten. Große Familienfeiern oder auch der Wochenmarkt können dein Kind in Dauerstress versetzen, da eine permanente Geräuschkulisse besteht. Auch das Radio am Nachmittag mit gleichzeitigen Gesprächen am Essenstisch sind da schnell zu viel. Das Visuelle Dein Baby hat den ganzen Tag viel zu sehen gehabt? Buntes Spielzeug, viele Menschen, neue Umgebung und am Abend oder gar im selben Moment ist es völlig überdreht? Möglicherweise kann es so viele Eindrücke nicht verarbeiten. Ein Besuch im Supermarkt gleicht einem Jahrmarkt. Auch hier, wie bei allen anderen Wahrnehmungen ist zu beachten, dass manche Babys unterschiedlich reagieren können. Die einen sehen etwas Neues und sind gleich völlig außer sich, die anderen wollen sich den ganzen Tag mit Eindrücken füttern und merken nicht, dass sie schon lange voll sind. Kommen wir auch schon zu den letzten beiden Sinnen Geruch und Geschmack Denn oft hängen diese beiden stark zusammen. Ein Essen kann schon nicht schmecken, wenn es komisch riecht. Die Muttermilch hat vielleicht einen anderen Geschmack, das Stillen wird eventuell verweigert, weil die Mami vorher Sport getrieben hat. Oder- dein Baby trinkt ausschließlich Milch und wagt sich nicht an Beikost ran? Auch das kann ein Zeichen von Empfindlichkeit sein. Und dann kommt es hart auf hart. Du gehst zu einer Familienfeier. Du kennst die Leute, die dort sitzen, aber dein Baby nicht. Es sieht neue Gesichter, liegt oder sitzt in einer neuen Umgebung, hört fremde Stimmen und riecht auch noch verschiedene Gerüche, während es von Arm zu Arm gereicht wird! Wie soll ein Baby das entspannt durchstehen und dann auch noch, wenn es so höchst sensibel ist? Genau! Wie also kann ich mein Baby mit all diesen starken Empfindungen unterstützen? Auch hier gehen wir die Sache nach und nach durch : Gleichgewicht Das aller aller Wichtigste, was wir auch erst nicht durchziehen konnten, ist: Jegliche Art von Schuckeln, schaukeln und wiegen weglassen. Es fällt verdammt schwer, aber erst nachdem wir DIES wirklich befolgten, wurde unser Alltag schlagartig nach ein paar Tagen besser. Die Flüssigkeit im Ohr, die für das Gleichgewicht zuständig ist, sollte nicht permanent in "Schwung" kommen, denn dies löst zb. Schwindel aus, wie wenn wir zu viel Karussell fahren. Ein extrem langsames Ablegen und Hochnehmen, sowie das Vorwarnen vor jeglicher Bewegung und Lageänderung des Babys hilft ebenso, sich an den Reiz zu gewöhnen. Z.b. Ein "Achtung (kleine Pause) ich nehme dich jetzt hoch (kleine Pause)" und anschließend nimmt man den Zwerg erst hoch. So verknüpft dein Kind mit der Zeit "Ah. Wenn ACHTUNG kommt, dann passiert was mit mir. "Lagere" dein Baby so aufrecht wie nötig, auch im Arm. Eine Waagerechte erträgt es nicht so gut, weshalb das aufrechte Tragen und das schräge lagern angenehmer sind. Ein sicherer Halt des Köpfchens ist besonders wichtig. Fasse niemals in den Nacken, sondern halte den Kopf mit flächiger Hand. Ein Kind mit Gleichgewichtsproblemen braucht eine haltgebende Umgebung. Im Arm kann das ein festes, enges, flächiges Halten sein. Im Liegen kann man das Baby pucken oder/und mit einem Stillkissen umhüllen. Beim Wickeln geben Mama's oder Papa's Bauch den kleinen Beinchen Halt. Interessant ist auch eine Gewichtsdecke in der Schwere deines Babys (10 Kilo Baby=10 Kilo Decke). Sie ist hilfreich für ältere Babys, die sich z.b. nicht mehr pucken lassen und für Babys, die im Schlaf ständig aufschrecken. Die Schwere verhindert dies und lässt sie weiterschlummern. Provilaktisch und vor allem in "Schreiattaken" können schwere, langsame Schritte helfen, die Flüssigkeit im Ohr mal auf Ruhezustand zu bekommen. Dazu läuft man z.b. das Baby ganz fest aufrecht im Arm haltend langsam, schwer stampfend geradeaus. Es muss richtig Rumpsen unter den Füßen. Richtungswechsel müssen dabei extrem langsam passieren. Man nennt es Elefantengang. Auch im Stand kannst du dies anwenden, indem du dich (dein Baby fest umklammert) auf die Ballen stellst und mit einem Wuuumps zu Boden gehst. Mehrmals hintereinander gibt es dem Baby Ruhe. Taktil Auch bzw besonders hier solltest du dein Baby immer flächig mit etwas Druck berühren und bewegen. Zaghaftes Anfassen, streicheln und Küssen wirken negativ erregend und können dazu führen, dass dein Kind Körperkontakt mit unangenehmen Gefühlen verbindet. Achtungszeichen vor jeder Berührung und besondere Langsamkeit sind oberstes Gebot, damit Berührungsreize gut verarbeitet werden können. Lasse deinem Baby z.b. eine Minute zwischen jedem Schritt beim Anziehen Zeit und mache erst dann weiter. Auch in diesem Bereich ist es ganz wichtig, dem Baby Begrenzung zu geben. Sei es durch ein Tragetuch, ein Stillkissen drumherum oder dem Pucken bzw der Schweredecke (siehe auch Gleichgewicht). Viele Babys ertragen keine flauschigen Dinge, wie Kuscheltiere oder Wolle. Gib ihm lieber Härteres, wie z.b. aus Holz oder Kautschuk. Sie haben eine konkrete Beschaffenheit und sind nicht so "unklar" wie Flauschiges. Auch bei der Kleidung, schau, dass diese angenehm auf der Haut ist. Gestricktes wie Wolle können kratzen und Polyester sollte sowieso eher nicht an Babys Haut. Unser Zwerg ist ein Schwitzer, das heißt, er fühlt sich bei 20 Grad schon fast nur in T-shirt und Windel wohl. Eine lange Hose könnte da schonmal Gequietsche auslösen. Das Visuelle Unser Knirps ist sehr lichtempfindlich und weint sogar, wenn er nur sieht, dass es hell ist, ohne, dass er Sonne abbekommt. Das Abdunkeln im Sichtbereich kann hier Abhilfe schaffen. Im Tragetuch setzen wir ihn einen Hut mit breiter Krempe auf. So kann er sich auch auf eine Blickrichtung fokussieren und schaut nicht wie wild von links nach rechts und von unten nach oben. Im Kinderwagen spannen wir ein Mulltuch obendrüber. Das kann erstmal lauthals Gemeckert auslösen. Wenn er aber müde ist, beruhigt er sich nach spätestens 10 Minuten. Ich persönlich bevorzuge ja das Tragetuch. Für den Rücken, aber auch für das Lernen einzuschlafen, ohne das Eltern im direkten Kontakt sind, könnte der Wagen schon hilfreich sein, wenn man das möchte. Wir schlafen in einem Bett mit unserem Zwerg, aber die Zeit von 21-24 Uhr muss er eben auch allein schaffen, damit wir zb. mal abwaschen oder uns eine Pause auf dem Sofa gönnen können. Solltet ihr einen Kinderwagen nutzen, könnt ihr auch über das erste Lebensjahr hinaus die Blickrichtung des Sitzes zu euch richten. So verhindert ihr das Überreizen durch Zu-viel-zu-gucken. Beim Spielzeug könnt ihr auf Einfarbigkeit oder auf eher weniger Farbe auf einmal setzen. Auch Blinken und Funkeln darf gerne weggelassen werden. Auditiv Im Alltag könnt ihr darauf achten, mit recht tiefer, ruhiger und klarer Stimme in Zimmerlautstärke zu sprechen. Auch eher langsames als schnelles Reden hilft deinem Baby, dir zu folgen. Vermeidet laute Kulissen mit vielen Geräuschen, wie Bahn fahren oder den Supermarkt. Auch Radio und TV würde ich eher sanft dosieren oder anfangs sogar garnicht nutzen, wenn Zwergi in der Nähe ist. Plötzliche und permanente Geräusche wie der Föhn oder der Staubsauger sind ebenso zusätzlich zu verarbeite Dauerreize. Auch wenn man sagt, sie helfen dem Kind , ist es bei einer Regulationsstörung eher ungünstig. Laut rasselnde und klappernde Spielzeuge stimulieren dein Baby zu sehr. Setze hier auf geräuschlose oder sanft klingende Dinge. Ist dein Kleines gerade in einer Schreiattake, rede wenig und in tiefer, ruhiger Stimme. Auch Körperkontakt hilft, mit Reizen fertig zu werden. Dabei schenkt dem Baby deine Stimme mehr Sicherheit, als es nur stumm zu halten. Wie bereits mehrfach erwähnt, gilt auch hier tief und ruhig sprechen. Geruch und Geschmack Versuche auf Gerüche wie Parfüm, Deo oder stark riechendes Duschbad zu verzichten. Auch bei Rasierwasser für die Männer könnte dein Baby empfindlich reagieren. Bei Beikost kannst du langsam mit einem Nahrungsmittel starten, bis es gut angenommen wurde. Führe dann langsam Stück für Stück Neues ein. Achte aber darauf, dein Baby nicht zu zwingen und vor allem nur essen zu geben, wenn es wirklich möchte, sonst kann eine Assoziation Essen=blöd entstehen. Unser Zwerg hat zum Beispiel mit ganzen Erdbeeren begonnen (dran rumzutschen) und danach ging nur Pastinakenbrei. So. Zu guter Letzt erwähne ich noch ein paar Dinge, die allgemein zu beachten sind und die egal, mit welchen Reizen euer Baby überfordert ist, hilfreich sind. 1.)Baut euch einen Tagesplan. Exakte Uhrzeiten sind dabei nicht relevant, sondern eher Anhaltspunkte. Unsere Ärztin meinte, macht den Tag so langweilig wie möglich. Das könnte bei einem 6-Monats-Drops dann zb. So aussehen: 8:00 Stillen, aufstehen, anziehen, frühstücken 10:00 Vormittagsschlaf, danach stillen, Mittag vorbereiten 13:00 Mittag essen 14.30 Nachmittagschlaf, danach stillen 18:00 Abendessen, danach stillen 19:30 Ritual zu Bett gehen 20:30 Schlafen -> dazwischen wird natürlich gespielt und ausgiebig gekuschelt, wenn denn euer Baby keine Körperkontaktschwierigkeiten hat. 2.) Gestaltet euren Tag bewusst langsam und ruhig.

Plant genügend Zeit vor Terminen ein und lasst euch durch niemanden stressen. Es überträgt sich sofort aufs Babys. 3.) So wenig Besuch wie möglich empfangen.

Gut wäre auch eher weniger Personen einzuladen. Reiche dein Baby vor allem nicht rum. Auch nicht, wenn der Besuch bettelt und schon garnicht "nur mal kurz". 4.) So wenig Termine wie möglich. Wir haben in Hochzeiten von Terminen versucht: Nur eine Sache am Tag und maximal drei pro Woche, wobei das echt schon fast zu viel ist. An einem Tag Einkauf und ein Termin beim Kinderarzt sollte definitiv nicht stattfinden. Außerdem ist es von Vorteil, solche Dinge Vormittags stattfinden zu lassen, da dein Baby dort noch nicht ganz so voll und überreizt ist. 5.)Kündige all deine Schritte an "wir gehen jetzt in die Küche" "ich leg dich mal ein Stück zur Seite" usw 6. Langsames Gewöhnen an Reize. Aber das bedeutet wirklich langsam! Nehmen wir z.b. den Sinn, der für alle Berührungen steht. Fange mit einer Druckmassage an einem Körperteil an z.B. die Unterarme. Drücke dabei gleichmäßig, jeweils dreimal hintereinander je Seite den Unterarm deines Kindes. Achte dazwischen auf genügend Pausen zum Verarbeiten der Reize. Beginne erst mit weiteren Körperteilen, wenn dein Baby sich daran gewöhnt hat und vielleicht sogar lacht. Manchmal reichen ein paar Minuten am Tag. In der Regel kannst du anfangs kleine Sequenzen öfter am Tag probieren. Von Tag zu Tag werden diese dann länger, dafür aber weniger oft. Ganz wichtig ist dabei das Aktivierungsniveau deines Babys. Wendet es sich zur Seite ab, hat einen glasig Blick und nuckelt vielleicht sogar an seiner Hand, dann ist es im Beruhigungsmodus und nicht bei dir. Versuche dein Baby sanft mit klarer Stimme zurückzuholen, sonst machst du deine Übungen umsonst. Das war's dann erst einmal mit allem dem, was wir so angesammelt haben. Woher haben wir aber denn all das Wissen? Zuerst einmal haben wir eine Ergotherapeutin, die uns beiseite steht und uns bei jedem Schritt hilft, Tipps und Hintergundwissen verrät. Außerdem wurde uns ein sehr gutes Buch "Fähig zum Körperkontakt" empfohlen, welches einen kompakten Teil über Regulationsstörungen enthält. Dieses Buch und unsere Ergotherapeutin arbeiten nach dem IntraActPlus Konzept. Und natürlich haben wir viele, viele eigene Erfahrungen gemacht, die uns das Leben manchmal ein wenig leichter machen. Wir sind aber noch lange nicht an dem Punkt, an dem wir unseren Alltag als normal bezeichnen würden. Noch lange nicht! Da es äußerst umfangreich und auch ziemlich aufreibend werden kann, solltet ihr euch unbedingt Hilfe holen. Es gibt Physiotherapeuten & Ergotherapeuten, die danach arbeiten. Auch Psychologen, Kinderärzte und Ostheopathen bilden sich in diesem Thema weiter. Ich hoffe, wir konnten ein wenig aufklären und Anhaltspunkte geben, wie ihr mit eurem Baby umgehen könnt. Es ist ein anstrengender, harter Weg, aber es wird besser, da bin ich mir ganz sicher!

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!!! EDIT (9.9.2018) !!!

Es ist gut, viel über die Regulationsstörung zu wissen. Es hilft auch, um dein Baby weniger Reizen auszusetzen. ABER, macht euch nicht verrückt! Jedes Baby ist anders und außerdem hast du immer noch ein Bauchgefühl.

Wenn dein Baby weint und dein Bauchgefühl sagt dir WIEGE ES SANFT, dann tu es!

Das aller, aller Wichtigste ist die Bindung zwischen euch und eurem Kind!

Vertraust du dir selbst, vertraut dir auch dein Baby!

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