rundumschmalstich
11. März 2018

Bruchstücke

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Ich liege hier. Ich weiß nicht wo. Irgendwo, schon sehr lange. Es ist ein warmer Frühlingsabend. Mein Kopf schmerzt. Irgendwo klingelt ein Handy. Frauenstimme: "Ich komme gleich". Ich kann mich nicht rühren. Nein, ich will mich nicht rühren. Ein Frauenlachen. Schritte, an mir vorbei, über mir. Ein Tritt, ein Klirren, nein, ein Scheppern von Plaste. Stille, ich starre in den dämmrigen Wolkenfetzen, über mir, der Mondschein, silbern, ein Halbmond. Wenn jetzt noch Wölfe heulen würden. Aber nicht in dieser Zivilisation. Die Tränen rinnen mir die Wangen herunter, der Boden ist feucht, klebrig um mich herum Ich greife hinein, rieche Erde. Ich bin todtraurig. Ich erinnere mich. Ein Kind verloren, ein Mensch gekränkt, eine Frau geschockt, ein Mann verzweifelt, ein Freund ergriffen, eine Freundin verraten, mein Hunger gestillt. Das alles, wenn ich hier liegen bleibe. Ich genieße die frische Luft. Sie riecht wie kurz bevor etwas passiert, voll von Erwartung. Autos rollen vorbei, irgendwo weit hinter mir. Mensch, wo bin ich nur. Wie kam ich hierher? Über mir Bäume, Äste, sie verschwimmen leicht, wanken im Wind, spielen mir vor. Ich dachte ich wäre zu hause, dachte es nur, fühlte sich ja so an. Ich will mich nicht bewegen. Es geht mir ja gut so, warum dann auf die Seite drehen. Ich bleibe so liegen. Schön mal wieder in Gedanken zu versinken. Schön weich ist der Boden hier. Ich schließe kurz die Augen, dieser Schwindel, habe gestern wohl zu viel getrunken. Ja, war bestimmt ein schönes Fest. Ein Geburtstag, eine Hochzeit, ein Gelage, wohl. Ich halt es nicht aus, wie alles an mir vorüber rast, die Bäume, die Felder, die protzigen Einfamilienhäuser. Ich höre ein Surren, Augen auf, ausgeträumt, davon wird mir übel. Ich huste jetzt, habe zu viel geraucht. Aber das ist nun mal so üblich auf Partys. Wenn ich nur wüsste bei wem? Warum bin ich allein, hat mich wohl wieder angeekelt diese Fassadenatmosphäre unbefriedigter Egos. Dieses ewige übertrumpfen von Geschichten, dieses ins rechte- Licht-gerücke, diese Individualistentrips, diese Seelenpornographie. Daher wohl auch das leichte Gebrumme in meinen Schläfen. Mein weißes Rauschen zwischen den Gedanken. Ein widerlicher Nachhall. Zum Glück bin ich hier, in Ruhe gelassen. Ich rühre mich nicht, möchte mich nicht stören. Dort oben blinkert was, womöglich ein Stern oder ein irrläufiger Satellit. Wer weiß das schon? Es wäre schön eine Sternschnuppe zu sehen. Mir was wünschen. Nur was? Ein warmes Bett, mit Jemanden an der Seite. Ihre Wärme spüre, ihren Atem, ihr Schlafen? Nein, es ist zu schön hier, nicht so einsam, nicht so zweisam, nicht so oberflächig, nicht so alltäglich. Wunderschön, friedlich. Ich werde mich nicht wegbewegen. Die Grillen zirpen jetzt, eine sehr milde Nacht steht mir bevor. In Zufriedenheit. Ich möchte nicht mehr rasen, ich genieße wildes duftendes Gras. Die milde Luft die mir über die Haut säuselt, wie gut! Wie sie mir zu haucht, mich umsäuselt. Ein zärtlicher Kuss nur. Ich brauche das nicht mehr. Der Wind reicht aus. Mich küssen und streicheln. Mal sanft, dann wild und noch wilder. Voll mit erfrischender Erotik, diese Gedanken. Ich brauche sie nicht mehr. All die reizvolle Schönheit in mir. So zufrieden war ich schon lang nicht mehr. So einfach nur daliegend, sich hingebend. Zum ersten mal, das letzte mal, so lang ist es her. Hierher, ihr süßen Gedanken, kommt zu mir. Ach, jetzt geht es mit mir durch. Ich drehe mich doch mal zur Seite, mich einrollend wie ein Kind. Geborgenheit schöpfen aus angewinkelten Knien. Au, das hämmert ganz schön im Schädel. Bloß nicht mehr solche Feiern, kein Geplapper mehr, keine Aufmerksamkeitswettkämpfe erleben, kein Zuschauen und lernen, nein, nichts mehr, keine Massenlangeweile. Wo ist nur meine Uhr? Wie spät es wohl ist, ich brauche sie nicht mehr, die liebe Zeit. Ich werde das Licht nicht verpassen, wenn ich erst ausgeträumt habe. Wenn mein geliebter Morgen kommt. Warte noch etwas es ist zu schön. Irgendwer ruft mich, sucht mich. Ich will nicht entdeckt werden. Ich verschließe meine Gedanken, als könnten sie laut werden. Autohupen, Lichtkegel, die über mich hinweg fegen, weit weg bin ich. Blicklose Ruhe, Seufzen. Ups, war das von mir? Sehr befreiend wieder allein und die ganze Welt vor mir, mein Leben. Was habe ich gelebt? Bruchstücke? Nein, alles erreicht. Ausschnitte? Nein, alles gesehen. Momente? Nein, alles gehabt. Jetzt ist mir aber ganz schön übel, dieses Ziehen und Drehen im Kopf. So auf der Seite liegend, höre ich die Blätter rascheln. Mmh, über mir. Neben mir liegt ein verkrüppelter Fahrradrahmen, Vorderrad verbogen, das Hinterrad ragt ins Gebüsch ist nicht zu sehen, der Lenker verdreht. Muss jemand wohl entsorgt haben, irgendwann, stört mich nicht, spricht mich ja nicht an, rostet wohl schon. Ich habe auch Fahrräder gehabt, bin gern gefahren. Sie wurden mir oft geklaut. Aber ich brauche auch keines mehr. Die Geschwindigkeit, die eigene Kraft, erfrischend auch in Gedanken. Blackout, Grillenzirpen, weniger Bilder, mehr Stille denn je. Was war doch gleich noch für ein Tag heute? Muss so Freitag oder Sonnabend sein, hätte mich wohl kaum betrunken, mitten in der Woche. Was war noch mal mit morgen? Familienbesuch? Wird wohl meinerseits ausfallen. Ich bin zu sehr angeschlagen. Mir wird’s immer leichter ums Herz. Mir scheint, als löse ich mich von meinem Körper. Körpergefühl also gegen den Nullpunkt, das ist aber ganz normal, wenn man lange Zeit liegt, hat mit tiefer Entspannung zu tun. Ich mag es, wenn ich das Gefühl habe beinahe zu schweben. Mein Mund ist etwas trocken. Komisch, mir fehlt der schlechte Geschmack vom Alkohol. Es schmeckt eher leicht metallisch. Ich habe auch nicht diesen Durst. Ich schließe noch mal die Augen. Ein letztes mal, bevor ich mich aufmache. Wohin? Keine Ahnung! Ich spüre eine leichte Wärme, so in der Magengegend. Schnell noch ein Kuss vom Wind einfangen mit meiner Wange. Ein Säuseln, wieder das gleichmäßige Surren, ein Baum, ein Blitz. Es beginnt zu regnen. Ich wollte mich schon immer mal vollregnen lassen. Meine Tränen fließen mit. Es wird hell und warm. Ich blühe auf. Rauschen. Stillstand. Frieden. Tod.

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  • rundumschmalstich
    2. März 2018

    Tief in der Nacht leuchtend, dort ein Blick in die Ferne in weiß und blond erscheint mir, ein Engelsherz , ein Zukunftswink. und dann erwacht ganz zart und tief berührt von Sehnsucht, der Mensch in mir. " Ich dachte ich wählte schwarz" meine erster Gedanke, dann Alltag und du bist weggewischt, zurück im Leben, Zufriedenheit und weitere Jahre ziehen daher, Leben als täglich Wiederkehr, gemächlich wachsen reifen . Glück und Krisen durchleben und überwinden. Ein Tag dann wie jeder andere, nur ich ganz angeschlagen in Fieber zitternd nur blass jemanden neues sehend, jemand fremdes unbekannt, blond, schön, mehr nicht, dann wieder Dunkelheit, tiefer Schlaf und Heilung. Monate laufend, zufrieden harmonisch nichts außer Spannungen im Dienst. so in blond sie sehend, an ihren Lippen hängend, nicht viel redend außer vieleicht: "Du singst doch, oder? ",.. ihre mich berührende Stimme. mehr noch an ihr klebend , mehr erforschend und findend, kennen lernend, wissend..." wo bist du nur früher gewesen?" mit voller sehnsucht aussprechend, mit wut im bauch nicht mit ihr gehen zu können und gedanken an so viele umwege. dann gemeinsame gänge, wir spazierend in gesprächen, austausch redend vertrautheit findend, wiedererkennend. hilfeschrei.... "kann mir jemand helfen!" wir streben dem ruf zu, führen das alter, das halt sucht, wir finden ihm halt, hände aufs herz gelegt, herz berührt, vom rücken her, ruhe spendend, heilung sendend, wird empfangen, mut schöpfend, hoffnung sähen, kraft zurücklassend, eine verbindung festigend uns sehend, begreifend. viele schritte um nicht ein schritt zu weit zu gehen, viele, viele schritte um den alten kurs zu behalten. Wochen vergehen widerwillig, schmerzend, anziehend, zurückstoßen, zusammenfliegen, tritt um tritt. wir halten so fest an den alten windungen, bleiben hart, hinter dicken mauern, ahnen nur, hoffen, singen und dichten erschaffen. doch nur stunden noch, Abschied liegt in der luft, er soll für immer sein und endloser schmerz, doch stehen zwei kinder uns grundlos zur seite, drängen, führen mich zu ihr, wie sehr ich mich auch entferne, "Du musst sie begrüssen! Du musst ihren Namen sagen." hallen ihre stimmen, bis ich ihnen nachgebe. dich begrüße und deinen namen sage und der abschied ist ausgeschlagen, abgelehnt, und doch hab ich tschüss gesagt weil ich gehen musste, nur um zu weinen, so traf dich der schlag der für mich bestimmt war, ganz gleichsam und so gab es kein bremsen mehr. lang ersehnte berührungen tauschend wir, und sehnend liegt ein kuss auf unseren lippen, unausgeführt, bleibt liegen. zäune überwinden, mauern bezwingen oder lieber rennen aus angst vor dem glück. minuten noch, ich liebe dich in den augen, angst vor jedem schritt, wir laufen weiter und dann endlich der kuss, er durfte sein, wir durften endlich sein, im licht und dunkel, zart, vorsichtig, das zerbrechliche ungebrochen, all die liebe von uns fließend, von einem zum anderen und wieder zurück. begehren und leidenschaft der beigeschmack, meine lippen mit ihr benetzt, erfüllt von unserem leuchten. "Augen auf und du, Augen zu und wieder du." der traum von ganzheitlicher vereinigung, eng umschlungen, verschmelzung, einsein, jetzt der einzige gedanke.. und da lag der zaun vor uns auf dem weg wie vom himmel gefallen, nach der dritten runde des selben weges durch gedanken, durch uns hindurch, durch angst, träume, sehnsucht und all unserer Beachränkung... ein tor zur unendlichkeit und... wir halten uns immer noch im arm und staunen...